58 Jahre Abitur in der Kreuzburg
Hajo Stenger
Liebe Kreuzburgknappe nun a. de.
War das damals werklich schee?
Es sin nun schon 58 Jahr‘ vergange,
dass mir damals da gehange
morjens in dem große Schlafsalong
und sinn uffgestanne mit dem kurze Song
Benedicamus Domino, wie de Pater hat gerufe
auf jetzt geht’s ganz rasch in die Hufe
und ans Becke mit dem kalte Wasser,
da macht mer nur die Nase e bissje nasser
und geht dann an de Spint a ran
und zieht sich etwas Warmes an.
Von da aus geht’s nun schnell
Ganz flucks in die Kapell‘
und kniet sich in die Bank‘ anei,
ach wär des doch ganz schnell vorbei.
Doch erst kommt die Meditation.
Ich denke an den Tag jetzt schon,
der mir bringt die große Sach‘,
dass ich nämlich das Abi heut‘ mach
und dann endlich kann ich ziehn von hier
die bislang erlebte Jahre reiche mir.
Aber erst die Mess’ am heilge Ort,
bevor’s geht zum Kaffee fort
in de Speisesaal da unten hinne,
e Stückche Brot wird ich da noch finne
um zu wecke meine Kraft,
die die Prüfung endlich trefflich schafft.
de Albert is schon ganz nervös,
de Heiner guckt ganz seriös,
de Theo schaut mit Zuversicht nach vorn,
de Rudi bläst ganz leise in sei Horn,
de Hohmann Franz ist voll Ruh‘,
de Günther guckt ängstlich dem Gewusel zu,
de Franz Josef bleibt ganz still,
weil er sich net uffreche will,
de Franz Scholz von Kösingen
tat auch nix aus de Fassung bringen.
De Lienen Franz aus Stuckenbrock,
steht da wie de Bock.
Und de Otto, unser Kleiner Bade
hat sein Kopp auch voll gelade
mit dem viele Wisse all,
das er geschöpft im Studiensaal.
De Gustl unser schlauer Schwabe
Ist doch ein klevrer Knabe.
De Hubert ganz gelasse,
kann die Erregung gar net fasse,
er steckt ne Reval an
und bleibt ganz locker dann.
Und zu guter letzt,
de Hajo auf sein Glück jetzt setzt.
Dreizehn ist die Zahl der Knappe,
die jetzt nach dem Abi schnappe.
So mancher denkt, ich schaff das net‘
Nur ein Gebet mich letztendlich rett‘.
Un alsbald wirst du gerufe
in de Studiensaal alleine
un scharst ganz wild mit de Beine und liest die Texte auf dem Blatt,
das dir de Pater grad‘ gegewe hat.
Un endlich is es dann so weit,
du machst dich zur Prüfung fix bereit Und tritts vor die Herren hin
mit Zittern und mit Angst im Sinn. Mancher hatte Glück dabei,
andren war das einerlei
un am Ende Gott sei Dank dafür
hast du geschlossen des Saales Tür
und hast gedacht, ich hab’s geschafft
das Abitur mit Mannes Kraft.
Wenn auch einige war‘n sehr frustriert
weil durch Note man hat attestiert
nicht was in ihm steckt,
sondern nur was wurde aufgedeckt.
Dann war abends Kommers in Wasserlos,
da war die Stimmung net famos,
Für die Pauker gab’s kei Lob und Ehr‘
und auch kei Liedche mehr.
Man verbracht den Abend schnell
un war in de Kreuzburg, bevor es wurde hell.
Dann wurde alles rasch verbrannt,
was man von de Schul‘ noch hat zur Hand.
Die Flammen brannten lichterloh
scheen war das einfach so.
Man wollte flugs nach Hause ziehn,
in Richtung Heimat stand der Sinn.
Und heut‘ nach der lange Zeit
denk‘ ich zurück an Freud‘ und Leid
Das Abibild zeigt die Schar mit vierzehn,
die dann ihre eigne Weg gehn.
Nur zwei zog es in die Mission;
die meisten wurden Lehrer schon.
Und 5 hab‘n verlasse dieses Erdesein
und sinn gegange in de Himmel rein.
Ich denk‘ mir werde sie dann sehe,
wenn wir auch dorthin all gehe
und vielleicht gelingt uns sodann
dass mir en schöne Kommers dann han.