Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Musik im Missionshaus

von Alfred Epple

Seit einigen Jahren begleite ich jeden Mittwoch eine immer größer werdende Gruppe von Bewohnern des hiesigen Alters- und Pflegeheims auf dem Akkordeon zum Singen von Volksliedern und alten Schlagern. Was hat das mit meiner Zeit im Missionshaus zu tun? Darauf will ich im folgenden eingehen. Akkordeon Mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit kam für mich auch die Erinnerung an meine musikalischen Erfahrungen im Missionshaus zurück. Die Leute wollten den Schlager "Marina" von Rocco Granata singen. Und das erinnerte mich an das Kartoffelschälen im Missionshaus, als ich die fleißig Schälenden auf der Quetschkommode begleiten durfte. "Marina" war dabei eines unserer Lieblingsstücke, wobei ich damals nur den Refrain spielen konnte.
Das Akkordeonspielen war für mich in den ersten Jahren im Missionshaus ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Wohlbefindens und es wurde von den Vorgesetzten nach Kräften gefördert. So konnte ich täglich in der Mittagspause in einem abgesonderten Raum für mich üben, was ich auch fleißig und mit Begeisterung gemacht habe. Da wurden also Ländler, Märsche und auch viele Schlager geübt. Vor allem die Schlager von Freddy Quinn ("Die Gitarre und das Meer") hatten es mir angetan und sie verhalfen mir auch letztendlich zu meinem Spitznamen: "Freddy".
Manchmal habe ich auch mit Mitschülern zusammen musiziert, mit Klaus Weiß und Bernhard Ketterer, zum Beispiel. Mit Bernhard durften bzw. mussten wir bei Festen beim Mittagessen aufspielen. Ich war da sehr aufgeregt, aber es hat auch Spaß gemacht.
Ein weiteres Highlight meiner "Musikerkarriere" waren die Erdkundestunden bei P. Vogt. Je nach Unterrichtsstoff sangen wir zu Beginn der Stunde unter meiner Begleitung ein Lied, also "Wir sind durch Deutschland gefahren", als Deutschland auf dem Stundenplan stand. Wir sangen auch mit Begeisterung "Wie oft sind wir geschritten auf steilem Negerpfad", ein Lied das heute wohl politisch nicht mehr sooo korrekt, aber trotzdem schön ist. Ich glaube nicht, dass ich ohne den Aufenthalt im Missionshaus das Instrument einigermaßen gelernt hätte.
In diesem Zusammenhang muss ich auch einen großen Fehler bzw. ein Versäumnis eingestehen. P. Schröter bot mir an, bei ihm gratis Orgelunterricht zu nehmen, weil er wohl erkannt hatte, dass ich nicht ganz unmusikalisch bin. Ich lehnte es aus zwei Gründen ab, einmal hatte ich ein wenig Angst vor ihm, zum anderen stand mir die volkstümliche Musik aufgrund meines Hintergrunds viel näher, als die klassische Musik. Heute weiß ich, dass ich eine Riesenchance verpasst habe.

Band
Von links: Walter Haag (✝), Ulrich Birringer, Manfred Mauz, Alfred Epple, Hans-Jakob Huppertz
In der Untersekunda (heute Klasse 10) kam das Akkordeon dann zu neuen Ehren. Das war die Zeit, als die Pop-Musik mit den Beatles und anderen Bands so richtig in die Gänge kam und das ging auch an uns nicht spurlos vorbei. Wir gründeten also eine Band, was von P. Haag, wenn nicht begrüßt, so doch geduldet wurde. Wir versuchten uns z.B. an "Skinny Minny" und "Memphis Tennessee", wobei das Ergebnis meiner Erinnerung nach nicht so prickelnd war. Sei's drum! Es hat Spaß gemacht. Zwischenzeitlich blieb das Akkordeon über Jahrzehnte fast unbenutzt. Es gab wohl ein paar Auftritte beim Militär im Unteroffizierskasino und auch in Argentinien kam das Instrument zu Ehren. Meistens aber war Funkstille bis ich vor ein paar Jahren gefragt wurde, ob ich nicht im Altenheim spielen wolle. Das ist inzwischen der Höhenpunkt meiner wöchentlichen Aktivitäten, nicht nur weil ich sehr viel dazu gelernt habe, sondern auch, weil es schön ist, so viele Menschen strahlen zu sehen, wenn z.B. beim "Muss I denn" die Post abgeht :-).



Bad Saulgau, 31.Oktober 2025

Alfred Epple