Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Briefschreiber

Korrespondenz zwischen Missionshaus und Elternhaus
1956 - 1960

Haigerloch, den 29.11. 1956

Grüß Gott, sehr geehrter Herr K!

Wenn ich erst heute Ihre Zeilen vom 19.Sept. beantworte, werden Sie mir bitte nicht böse sein. Nicht böser Wille lag vor, sondern nur das gerüttelte Maß an Arbeiten. Jetzt komme ich einigermaßen etwas zur Aufarbeitung der Post, die sich auf meinem Tisch aufgehäuft hat.

Kann das Opfer der Eltern verstehen, die ihr Kind weggeben! Dazu gehört große Liebe zu dem, dem man das Kind gibt. Und diese Liebe zu Christus allein vermag uns die Kraft zu geben, diese Opfer zu bringen, den Eltern und den Kindern! Es macht aber auch wieder Freude auf beiden Seiten, wenn der Sohn immer näher seinem schönen Beruf kommt. Ist doch der Missionsberuf der schönste Beruf den Gott zu geben hat auf dieser Erde. Das muss auch die Eltern mitehren!

Weiß, dass M sich wohl fühlt und am rechten Platz. Das beruhigt und freut auch die Eltern und Erzieher. Dass er am rechten Ort ist, beweist er jeden Tag, wenn er sich bemüht, ein feiner Missionsschüler zu sein. Er ist da wirklich strebsam und auch dabei; seinen Gott hat er recht gerne und im Studium ist er dabei. Auch mit seinen Mitschülern kommt er aus so weit ich es sehen konnte bıs jetzt.

Wenn M so weitermacht, bietet er die besten Aussichten, ein feiner Priester und Weißer Vater zu werden und da wollen wir hier in Haigerloch alles tun, ihm zu helfen. Und auch Sie werden bestimmt alles tun, um ihn auf den Armen des Gebetes und. des Opfers zum Altar zu tragen! Ohne das kommt ein Junge gewöhnlich nicht zum Priestertum. Da ist bei Ihnen kein Bedenken. Weiß aus dem kurzen Zusammensein mit Ihnen, als Sie hier waren, dass M von seinen Eltern alles bekommt, was er nötig hat für das Streben und das Ringen um den feinen Menschen und Priester.

Gesundheitlich war M, soweit ich es feststellen konnte, in Ordnung wenn er auch noch jung ist. Seine Gehgymnastik macht er wohl noch immer, so weit ich weiß.

Nun freuen sich die Buben schon auf die schönsten aller Ferien, auf die Weihnachtsferien.

Wünsche Ihnen und der ganzen Familie alles Gute u. Gottes Segen.

Frohe Missionsgrüße aus Haigerloch!

Ihr in Christo ergebener P.H.
Missionshaus Haigerloch

3.Oktober 1957

An die Eltern unserer Missionsschüler.

Grüß Gott!

Wir haben in diesem Semester die Besuchstage der Schüler auf folgende Tage festgelegt:

20. Oktober und 24. November

Es wäre sehr im Interesse der Schüler, wenn sich die Eltern und Verwandten an diese Zeiten halten würden, damit das Studium nicht zu sehr Schaden leide. Auch würde ich bitten, nicht vor 12.30 Uhr ins Missionshaus zu kommen. Nach dem Mittagessen stehen die Buben gerne bereit für die Eltern.

Wohl könnten die Eltern, die aus der Nähe sind, die Wäsche der Buben zu anderen Zeiten bringen, wenn sie nur kurz vorbeikämen.

Wir wollen zusammen beten und erziehen, damit Ihr Sohn ein feiner Priestermissionar werde für Afrika.

Frohe Missionsgrüße aus Haigerloch

Ihr in Christo ergebener Superior H.

Missionshaus der Weißen Väter

23. April 1958

Liebe Eltern unserer Schüler, der "NEUE“ meldet sich heute einmal. Ich möchte Ihnen meinen ersten Gruß senden. Angst brauchen Sie keine zu haben. Ich bin ein waschechter Rheinländer. Und von denen sagt man, dass man mit ihnen auskommen könne. Also, keine Angst!

Von vorneherein möchte ich ihnen sagen, dass ich sogar gerne zum Süden gezogen bin, obwohl ich mein Rheinland mit seinen frohen Menschen liebe. Aber trotzdem bin ich gerne gekommen. Ich habe viele und tüchtige und liebe Schwaben, Badenser schätzen und lieben gelernt. Sie sind ehrlich und aufrichtig. Und man weiß, woran man mit ihnen ist. Und man kann auf sie bauen. Das ist doch die Hauptsache, nicht wahr? Und das möchte ich Ihnen gleich sagen, dass ich ganz großes Vertrauen zu Ihnen habe, und ich möchte Sie ganz herzlich darum bitten, dass wir zusammen.halten, dass wir zusammen arbeiten, dass wir uns alles das sagen, was gesagt werden muss. Und ich möchte Sie um Ihr Vertrauen bitten. Wir sind Priester und Weiße Väter. Wir haben deshalb schon ein feines und gutes Gewissen. Deshalb sollten Sie uns Ihr Vertrauen schenken. Wir wollen aus Ihrem Kinde einen heiligen Priester und einen tüchtigen Missionar machen. Dasselbe, das auch Sie möchten. Deshalb müssen wir zusammenhalten. Weil, wir doch alle dasselbe wollen, aus Ihrem Kinde den Priester und Missionar formen. Dazu gehören bestimmte Voraussetzungen, z.B. ernstes Studium. Die Menschen unserer Tage fordern vom Priester, dass er alles weiß und alles kann. Daran ist etwas Richtiges. Der Priester muss über ein reiches Wissen verfügen. Sonst ist er unten durch. Lassen Sie, bitte, deshalb Ihren Jungen ernsthaft studieren. Sie stören dieses ernsthafte Studium, wenn Sie Ihr Kind bei jeder Gelegenheit besuchen. Das ist nichts! Ihr Junge wird abgelenkt; tagelang denkt er an seinen Besuch. Und das Studium ist dahin. Und dann schimpfen Sie auch noch, wenn der Junge kein anständiges Zeugnis mitbringt. Deshalb möchte ich Sie bitten:

1. vor Pfingsten nicht zu kommen. (Erster Besuchstag ist der 2.Pfingsttag ab 13 00 Uhr.)

2. Dass Sie sich genau an die Besuchstage halten, die ich Ihnen angeben werde.

Ich habe den Mut, mich daran zu halten im Interesse Ihres Kindes, für das ich Mitverantwortung trage. Bringen Sie mich also, bitte, nicht in Verlegenheit! Das würde mir aufrichtig Leid tun.

Ich habe noch etwas auf dem Herzen. Ich weiß, Sie haben Ihr Kind lieb. Das soll so sein! Gott hat dem Menschen die Liebe ins Herz gelegt. Die Liebe ist gottgewollt. Sie sollen Ihr Kind von Herzen gern haben. Aber vergessen Sie nicht, dass VERWÖHNUNG mit Liebe nichts zu tun hat. Sie verwöhnen Ihr Kind, wenn Sie ihm laufend Pakete schicken. Ich sorge schon dafür, dass die Nahrung entsprechend ist. Meine Jungens sollen nicht hungern Ich möchte aber auch nicht zulassen, dass sie sich am laufenden Band den Magen verkorksen. Wir wollen keine Weichlinge zu Priestern und Missionaren haben sondern Männer, die sich beherrschen können, die NEIN sagen können. Waschlappen laufen heute genug herum. Wenn unsere Jugend nicht verzichten lernt und hart sein kann gegen sich selbst, wird sie versagen, wenn es um die Ehre und den Adel ihres Leibes und ihrer Seele geht. Deshalb, nur deshalb, müssen wir einen Maßstab anlegen, was Pakete mit allem möglichen Zuckerkram angeht. Deshalb habe ich die ebenso herzliche wie dringende Bitte an Sie, unter keinen Umständen Pakete mit angedeutetem Inhalt zu schicken. Wenn Sie solche Sachen nicht an den Mann bringen können, gebe ich Ihnen Adressen in der Ostzone an. Diesen armen Menschen machen Sie damit eine größere Freude. Ich möchte Sie herzlich bitten, sich sofort an diesen unsern Wunsch zu halten. Namenstag ist davon selbstverständlich ausgeschlossen.

Nun, liebe Eltern, soll‘s genug sein. Glauben Sie nun nicht, ich sei ein Barbar. Ich stehe lange genug in der Jugenderziehung, und weiß, wie unvernünftig manche Eltern gehandelt haben. Ich könnte Ihnen erschütternde Tatsachen aufzählen. Kinder klagen ihre Eltern an, sie seien von ihnen nicht maßvoll erzogen worden. So mussten sie in der Stunde der Bewährung versagen. Der junge Mensch braucht einen starken Willen. Wir als Erzieher müssen alles daran setzen, ihnen diesen Willen zu vermitteln.

Gott befohlen, liebe Eltern. Ich verspreche Ihnen ein tägliches Gedenken am Altare Gottes. Seien Sie versichert, dass wir von unserer Seite aus alles tun wollen, aus Ihrem Kinde einen Priester und Missionar zu machen, hinter dem Sie einmal voll Stolz und Glück einherschreiten sollen, wenn die Glocken zur Primiz läuten.

Von Herzen grüße und segne ich Sie.

Ihr ergebener Superior

P. B. Missionshaus der Weißen Väter

20. Juli 1958

Liebe Eltern!

Nun ist es soweit. Ihr Junge kommt in Ferien. Natürlich freuen Sie sich. Und das sollen Sie auch. Wir freuen uns auch. Wir freuen uns, dass die ersten Strapazen glücklich überwunden sind. Und dass wir die Werkzeuge Gottes sein durften, Ihren Jungen wenigstens einen kleinen Schritt auf dem Wege zum Altare Gottes voran gebracht zu haben. Auch Sie freuen sich. Das ist begreiflich. Sie haben Ihr Kind gern. Gott sei Dank, dass dem so ist. Es gibt bekanntlich auch andere Fälle. Sie haben ein großes Opfer gebracht. Wir wissen das zu schätzen. Und Gott noch mehr. Nun bekommen Sie Ihr Kind für sechs Wochen zurück.

Ich möchte Ihnen ein Wort sagen. Vergessen Sie folgendes nicht:

1. Für die Zeit der Ferien übernehmen Sie die volle Verantwortung für Ihr Kind. Wir legen diese Verantwortung in Ihre Hände. Ich nehme an, dass Sie wissen, was das heißt in unseren Tagen:

2. Vergessen Sie nicht, dass Sie Ihr Kind zurückerhalten, in dem Sie den zukünftigen Priester schauen sollen. Sie sollten also Ehrfurcht vor Ihrem Kind haben. Es soll später Träger göttlicher Gewalten sein. Es soll später Gottes Frohbotschaft in die Welt tragen. Deshalb achten Sie Ihr Kind mehr von dieser Sicht her, es trägt den Ruf Gottes in seiner Seele.

3. Erinnern Sie sich, liebe Mutter, an die Zeit, da Sie Ihr Kind unter dem Herzen trugen. Sie haben damals gebetet zu Unserer Lieben Frau, dass sie Ihr Kind behüte, und dass aus Ihrem Kind einmal etwas Großes werden sollte. Still haben Sie damals darüber nachgedacht. Sie waren gesegnet.

Und Sie, lieber Vater, Sie waren damals der Hüter des göttlichen Geheimnisses. Wollen Sie beide, Vater und Mutter, das nicht vergessen! Ihre Familie sollte heute wieder gesegnet sein. Durch den Priesterberuf Ihres Kindes. Hüten Sie dieses Geheimnis Gottes. Es wäre schade, wenn dieses Gottesgeschenk an Sie Schaden leiden würde während der Ferien. Es wird Schaden leiden, wenn Sie nicht mit Ihrem Kind beten. Sie sollten mit ihm zur heiligen Messe gehen. In der Familie wachsen die Priester Gottes; vom Altar her holen sie sich Kraft.

Sie sollten Ihr Kind hüten wie ein heiliges Geheimnis. Deshalb soliten Sie alles verhüten, was wie Raureif wirken könnte auf die Blüten. Kino kann wie Raureif wirken. Lassen Sie Ihr Kind in keinen Film gehen, von dem Sie nicht ganz genau wissen, dass er vom katholischen Filmdienst empfohlen ist. Überzeugen Sie sich vorher ganz genau.

Lektüre hat schon manchen Priesterberuf auf dem Gewissen. Sie wissen selbst, welcher Schmutz und Schund heute unserer Jugend von gewissen Seiten geboten wird. Wie viel Unheil in den jungen Seelen durch Lektüre und Illustrierte angerichtet wird, weiß Gott allein.

Kameraden Ihres Jungen müssen Sie unter die Lupe nehmen. Wenn vor zwei oder drei Jahren die Kameraden Ihres Jungen noch gut und sauber waren, inzwischen kann es anders geworden sein. Und eine Beeinflussung von dieser Seite ist nicht ausgeschlossen. Wissen Sie, zukünftige Priesteraugen müssen nicht alles sehen; und zukünftige Priesterohren müssen nicht alles hören. Noch ein Wort an die Eltern unserer größeren Schüler; ich höre von dem einen und anderen, dass sie in den Ferien arbeiten wollen, und zwar in der Fabrik, "um Geld zu verdienen", wie sie sagen. An sich höre ich das ganz gerne. Sie machen sich immerhin Gedanken, wie sie selber mitsorgen wollen, um ihren Eltern die finanziellen Nöte etwas abzunehmen. Und dass sie vielleicht selber sehen und lernen, wie schwer heute das Leben ist. Das ist gut! Und dieser gute Wille ist anzuerkennen. Wir selber stehen auf dem Standpunkt, dass unsere Patres von morgen - das sind doch unsere Schüler das Arbeiten gelernt haben müssen. Unsere Missionare arbeiten viel und lange. Sie müssen eben alles können. Aber ich möchte Sie um Himmels willen bitten: Schicken Sie doch Ihren Jungen nicht in die Fabrik. Ich gebe ganz offen zu, dass unsere Jungen diesem Milieu, dieser Hetze nicht gewachsen sind. Unsere Jungen leben doch in einer ganz anderen Welt, der Welt Gottes. Sie sind doch mit uns einig, dass das Milieu der Fabrik heute zum mindesten fragwürdig ist. Politisch und weltanschaulich wird dort gestritten und gefeilscht, und junge Menschen leider oft verseucht. Das ist doch so! Wie gesagt, diesem Milieu sind unsere Schüler nicht gewachsen. Schicken Sie Ihren großen Buben ruhig zum Bauern. Der ist froh, wenn er Hilfe bekommt. Und einiges Geld kann er sich bei ihm auch verdienen, wenn auch nicht so viel wie in der Fabrik. Ich möchte Sie jedenfalls sehr davor warnen, den zukünftigen Priester in die moderne Fabrik zu schicken.

Ich habe Ihnen, liebe Eltern, aus Sorge um unsere Jungen das eine und andere geschrieben. Es wäre noch manches zu sagen, z.B. hl. Beichte, hl. Kommunion, Rauchen. Aber es mag genügen. Sie sind selber gewissenhafte Eltern, die sich ein Gewissen daraus machen, alles zu tun, was den Priesterberuf fördert. Sie wollen doch einmal voll Stolz hinter Ihrem neu geweihten Priester herschreiten.

Gott zum Gruß, liebe Eltern. Und wenn die Ferien zu Ende sind, schicken Sie uns unsere Schüler wieder zurück zum Tabernakel, von dem aus sie ihre Heimreise angetreten sind. Ich versichere Sie meines täglichen Gebetes am Altar.

In herzlicher Verbundenheit grüße und segne ich Sie

Ihr Pater Superior

Missionshaus der Weißen Väter

17.12.1958

Sehr liebe Familie,

natürlich haben wir uns von Herzen gefreut über Ihr Päckchen. Schließlich trinken wir auch einmal ganz gerne eine Tasse Kaffee (das WOHER interessiert uns erst einmal nicht), und zum andern freuen wir uns über ein gutes Wort, das man auch uns einmal schenkt, und mit dem unsere Mühe und Arbeit auch eine äußere Anerkennung erfährt. Haben Sie also, ganz herzlichen Dank. Über das, was M Ihnen geschrieben hat, sollten Sie sich wirklich freuen. Er ist ein feiner Junge. Hoffentlich packt er auf die Dauer das Studium. Wir wollen gerne mit Ihnen beten. Wir sind an jedem Beruf interessiert. Gott lohne Ihre Opfer. Hätten wir doch mehr solche Eltern, die mit dem Gebet und dem Opfer so hinter ihren Kindern stehen wie Sie. Ihnen, liebe Familie. Nochmals ein frohes Christfest und viel Freude in den Ferien.

Ich grüße und segne Sie

Missionshaus im Advent 1958.

Liebe Eltern,

da bin ich wieder einmal, Ihnen einen frohen Gruß zu schicken. Diesmal mitten aus den stillen Tagen des Advents, da wir uns alle vorbereiten auf das Kommen Gottes.

Jene zwei Menschen, die um das reine Gottesgeheimnis wussten, haben es wohl am besten gemacht. Der treue Mann war um die Mutter besorgt, die das Geheimnis unter ihrem Herzen trug. Die stille Mutter sann und betete. Beide kümmerten sich um das Gotteskind. Ihre Liebe und Sorge gehörte dem Gotteskind, dem Priester. Spürt Ihr, liebe Eltern, was ich sagen mochte? Habt Ihr auch jeden Tag im verflossenen Jahre daran gedacht, dass Sie ein stilles Geheimnis hüten? Liebe Mutter, Deine natürliche Mutterschaft soll einmal verklärt werden, wenn Du in der Weihestunde Deines Kindes Priestermutter wirst wie die Mutter des Herrn. Freust Du Dich eigentlich jeden Tag auf diese erhabene Stunde? Es ist doch jetzt Advent, und die Kirche betet an den Ouatembertagen für ihre Priester und für alle, die sich dem Altare Gottes weihen wollen. Denkst Du daran, liebe Mutter? Und Du, lieber Vater, sorgst und mühst Du Dich um Deinen zukünftigen Priestersohn? Du solltest stolz sein, dieses Geheimnis mitzuhüten, wie jener stille Hüter der Madonna und ihres Kindes.

So sollte Ihr Advent aussehen: Liebe und Sorge um den Priester Ihrer Familie, damit Sie einmal mit Ihrem neugeweihten Priestersohn die Christnacht am Altare Gottes feiern dürfen.

Für das Fest selber verspreche ich Ihnen, die hl. Christmette für Sie alle und unsere Jungen zu feiern. An der Krippe um Mitternacht wollen wir uns ein Stelldichein schenken und gemeinsam für Ihre und unsere Anliegen beten.

Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen, liebe Eltern, unsere herzlichen Wünsche aus: dass es ein gottgesegnetes Jahr werde; und dass es uns alle Gott näher führe; und dass auch das neue Jahr unsere Priester- und Christenzahl in Afrika wachsen lasse.

Unsere Madonna, die uns durch den Advent führt, schreite auch durch das NEUE JAHR mit uns allen.

Ich grüße und segne Sie in herzlicher Verbundenheit. Ihr ergebener P.B.

Missionsgesellschaft der Weißen Väter

Im Januar 1959

Liebe Eltern,

zu dem, was ich Ihnen heute im Auftrage unseres Hochw. Herrn P. Provinzial zu sagen habe, möchte ich vorher folgendes aus meinem eigenen Leben sagen.

Das war am Vorabend des St. Nikolaustages 1921. Unsere Mutter mit ihren sechs Buben stand um das Sterbebett unseres Vaters Ich war damals 7 Jahre alt. Unter Aufwand seiner letzten Kraft schaute uns Vater nochmals an. Und dann sagte nur noch mit lispelnder Stimme: "Haltet mir eure Mutter in Ehren. Hört auf die Kirche! Habet Achtung vor geweihten Priesterhänden!" 10 Minuten später hauchte Vater seinen letzten Atemzug als letzte Abschlagszahlung an dieses Leben. Vater war tot. Unsere Mutter stand mit ihren 6 Jungen allein. Seit jener Stunde ahnte ich, dass ich einmal Priester werden würde, da unser Vater ein so schönes Wort von geweihten Priesterhänden gesprochen hatte. Und als dann eines Tages auf der Kanzel meiner Heimat ein richtiger Missionar stand, war es klar für mich: "Du wirst nicht nur Priester; du wirst auch noch Missionar dazu."" Ich wagte kaum, mit meinem geheimen Wunsch zur Mutter zu gehen. Ich wusste, es würde ihr schwer fallen. Und ich wusste ja, woher soll sie das Geld nehmen? Aber was wollte ich machen? Zu ihr gehen musste ich doch, wenn ich einmal wirklich Gottes Priester werden sollte Und dann habe ich mir ein Herz genommen, und in einer stillen Abendstunde habe ich’s ihr gesagt. Nie in meinem Leben kann ich’s vergessen, wie sie vor Glück geweint hat. "Ich will noch mehr arbeiten wie bisher, damit Du einmal Priester werden kannst. Die Stunde Deiner Weihe wird alle Mühe aufheben"! Das sind die Worte meiner Mutter. Heute, da sie tot ist, kann ich sie weitergeben an andere Mütter. Und dann, liebe Eltern, hat Mutter buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet. Es ist ihr nicht leicht geworden. Etwas leichter wurde es ihr, als ihre älteren Jungen mitverdienen halfen. Und dann kam die Stunde meiner Weihe zum Priester. Wenn meiner Mutter auch nichts erspart blieb an Leid und Not, so habe ich doch keine glücklichere Mutter gesehen als die meine, da sie hinter ihrem neugeweihten Priestersohn herschreiten durfte. Und wenn ich heute am Grabe dieser meiner Mutter stehe, denke ich in Liebe und Hochachtung an sie, "der die Stunde meiner Weihe all ihre Mühen aufgehoben hat", wie sie mir an jenem Abend gesagt hatte.

Nun habe ich Ihnen liebe Eltern, genug aus meinem persönlichen Leben erzählt. Ich erlaubte mir, es Ihnen heute zu sagen, um einen Anknüpfungspunkt zu haben zu dem, was ich jetzt zu sagen habe. Ich wollte Ihnen ein Beispiel schenken, wie Vater und Mutter alles tun sollen, wenn es um einen Priester geht, den Gott ihnen schenken will, Einmal wird die Weihestunde Ihres Jungen auch Ihnen alle Mühe aufwiegen, wie es im Leben meiner Mutter gewesen ist.

Erschrecken Sie nun bitte, nicht, wenn ich’s Ihnen gerade heraus sage, dass wir uns nämlich veranlasst sehen, die bisherige Pension von DM 60 auf DM 80 heraufzusetzen. Sie wissen selber zu gut, dass der bisherige Pensionssatz im Gegensatz zu anderen Anstalten gering war. Viele von Ihnen konnten bei bestem Willen nicht einmal diese 60 DM aufbringen. Natürlich haben wir das keinem von Ihnen verübelt. Wir wissen, dass Sie gewissenhafte Eltern sind, die das Missionswerk unter keinen Umständen durch Ausnutzung betrügen wollen. Wir denken zu hoch von Ihrer Gewissenhaftigkeit, das von Ihnen annehmen.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, liebe Eltern, weshalb ich diesmal aus meinem persönlichen Leben ein kleines Bild von meiner Mutter zeichnete. Sie hat alles getan, was in ihren Kräften stand. Sie wurde reichlich entschädigt für all ihre Mühe und Not. Ich weiß, es ist indiskret, aus seinem Leben zu berichten. Aber ich wollte Sie an Hand dieser Mutter fragen, ob nicht auch Sie alles tun wollen, selbst die größten Opfer bringen zum guten Gelingen, das Gott mit Ihnen vorhat?

Angesichts dieses hehren Beispiels möchte es mir fast banal erscheinen, Ihnen noch andere Gründe darzulegen, weshalb wir uns veranlasst sahen, die Pension zu erhöhen. Diese Gründe kennen Sie selber viel besser als ich, weil Sie täglich damit zu tun haben (Teuerung, Löhne, Gehälter für Lehrerpersonal, Neuanschaffung für Schule usw.). Wie gesagt, das wissen Sie besser als ich, obwohl ich auch dafür gerade stehen muss, dass unsere Schule in allem auf der Höhe bleibt, was einen bestimmten Rahmen angeht. Wir wollen in keiner Beziehung den modernsten Schulen beikommen; das gehört nicht zum Stil eines Weißen Vaters. Aber das Notwendigste muss doch da sein, um unsern Schülern all das bieten zu können, was heute zur Ausbildung nun einmal gehört. Wenn Sie, liebe Eltern, sich eine Weile hinsetzen, und überlegen, finden Sie es wahrscheinlich selber an der Zeit, dass wir mit dieser unserer Bitte an Sie herangetreten sind. Überlegen Sie gleichzeitig vor Ihrem Gewissen, was Sie von Ostern (Monat April) an tun können. Es ist Ihre persönliche Gewissensache, vor der Sie gestellt sind. Diejenigen unter Euch, die DM 80 zahlen können, sind sicher auch im Gewissen dazu verpflichtet; die es nicht können, werden sicher etwas mehr als bisher aufbringen können.

Ich spreche zu katholischen und gewissenhaften Eltern, denen Gott einen Priester schenken will.

Nur deshalb habe ich das Vertrauen, dass Sie mich verstehen. Und nur deshalb bin ich dem Auftrage unseres Pater Provinzial nachgekommen.

Für alle Opfer, die Sie bisher für Ihren Jungen. in das Missionswerk gebracht haben, möchte ich Ihnen ein herzliches VERGELT’S GOTT sagen. Seien Sie versichert, dass wir täglich Ihrer gedenken. Fragen Sie Ihr Kind, wie oft wir für Sie und unsere Wohltäter beten. Irgendwie wird Ihnen das Opfer wieder gutgemacht werden. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Wir wollen zusammen beten, dass Ihr Junge es Ihnen wieder gut machen wird in jener Stunde, in der Sie, so hoffen wir, Zeuge sein werden. wie der Bischof Ihrem Jungen die Hände auflegt, und ihn zum Priester weiht.

Vater und Mutter, im Hinblick auf diese Stunde bringen Sie jedes Opfer. Wir freuen uns mit Ihnen, wenn diese Stunde angebrochen sein wird.

In herzlicher Verbundenheit grüße und segne ich Sie.

P.B.

Missionshaus der Weißen Väter

12.2.1959

Grüß Gott, liebe Familie K,

schade, dass Sie nicht kommen konnten. Es war ein schöner Elterntag. Und es herrschte eine echt familiäre "Luft", als nach meinen Ausführungen alle gekommenen Muttis und Papis bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen beisammen saßen (zumal eine richtige Bohne im Kaffee drin war). Und dank Ihrer edlen Spende war der Kaffee noch duftender. Für diese edle und menschlich echte Spende möchte ich Ihnen heute von Herzen danken. Das haben Sie wirklich fein gemacht, daran zu denken. Wir Patres haben am Montag, also gestern Mittag uns eine Tasse aufgießen lassen, die wir doch alle sonntags dazu keine Gelegenheit hatten. Gott lohne Ihnen Ihre Hochherzigkeit. Auch die Bereitschaft zum Opfer, zu dem ich alle Eltern aufgerufen hatte. Mein Appell hat ein gutes und wohlwollendes Echo gefunden. Ich bete darum, liebe Familie K, dass Ihre Hochherzigkeit Ihrem Jungen zugute kommt. Sie wissen selber, dass M zu schaffen hat, um immer sein Klassenziel zu erreichen. Hoffentlich bleibt er bei dem Eifer, den er bisher gezeigt hat. Dann wird er es sicher schaffen, zumal Sie als Vater und Mutter ganz dahinter stehen.

Nun, liebe Familie K, Gott befohlen! In herzlicher Verbundenheit grüße und segne ich Sie

Missionshaus der Weißen Väter

7.4.1959

Liebe Familie K,

ich darf mit Überzeugung sagen, dass wir alle, Patres und Brüder, ganz erschüttert sind zum dem Unglück, das Über Sie gekommen ist. Und wenn wir noch das Tragische des Sonntags dazu nehmen, dürfen Sie versichert sein, dass innere Anteilnahme echt menschlich ist. Ihnen als christliche Eltern, die wir wegen ihrer Grundhaltung schätzen und verehren, brauche ich kein Wort des Trostes zu sagen. Wer von uns Menschen kann auch nur annähernd das erahnen, was in Ihrem Herzen vor sich geht. Der Schmerz ist zu groß, als dass wir daran rühren möchten. Aber seien Sie versichert, liebe Familie, dass wir um Kraft für Sie gebetet haben, das Leid Sie nicht hoffnungslos macht, sondern dass Sie hierin einen Fingerzeig Gottes sehen wollen, der ein Jungenherz zu sich genommen hat, bevor der Raureif der Sünde dieses reine Herz gegebenenfalls beschmutzt hätte. Ihr Kind ist ja doch im Himmel.

Ich versichere Sie, liebe Familie K, unseres aufrichtigen Mitempfindens, und sage Ihnen, dass wir Sie im Gebet nicht vergessen.

Gott segne Sie.

Missionshaus Haigerloch

März 1959

Grüß Gott, liebe Eltern,

nun haben wir’s geschafft. Das Ende des Schuljahres ist da. Von Herzen wollen wir dem lieben Gott danken. Er ist doch mit uns gewesen Wir konnten ruhig arbeiten, Krankheiten und Todesfälle hat er von meiner großen Schar ferngehalten. Und das Klassenziel ist bis auf wenige erreicht — und damit sind Ihre Jungen einen Schritt dem Altare Gottes näher gekommen. Wir haben also alle Grund, ein frohes DEO GRATIAS zu sagen. Auch Sie daheim wollen das nicht vergessen. Ein dankbarer Mensch macht sich neuer Liebe und Gnade würdig. So ist es schon bei. uns Menschen. Und beim lieben Gott ist es genauso.

Da habe ich noch zwei Sachen:

1. Sie erinnern sich an meinen Brief bezüglich der Erhöhung der Pension auf monatlich DM 80.

Sehr viele von Ihnen haben mir darauf geantwortet und haben unsere Bitte vollauf begsriffen. Allen sei herzlich gedankt! - Damit wir nun im neuen Schuljahr Ordnung haben, lege ich Ihnen nochmals den EINWILLIGUNGSSCHEIN mit bei, auf dem Sie bitte die neue Pensionshöhe eintragen wollen. Diesen Schein wollen Sie mir dann am besten umgehend zurückschicken, damit es nicht vergessen wird, Tun Sie uns gleich den Gefallen. Wissen Sie, wir wollen Ordnung haben.

2. Für diejenigen Eltern, die noch mit Pensionszahlungen im Rückstand sind, lege ich eine entsprechende Abrechnung mit bei. Vielleicht darf ich hier bemerken, dass sehr viele glauben, sie seien bei, d h. sie hätten 12 Raten bezahlt, erhalten aber nur 11 Raten bestätigt. Dieser Umstand rührt daher, dass den Anfangsmonat des letzten Schuljahres (April 1958) nicht bezahlten, obwohl doch dieser Monat schon zum neuen Schuljahr gehörte. Daher die Unstimmigkeit. Ich möchte die betreffenden Eltern sehr herzlich bitten, doch noch in diesem Monat (März) ihre Sache in Ordnung zu bringen, damit wir auch vor unserer P. Provinzial gerade stehen können. Sonst schleppen wir die alten Schulden mit ins neue Schuljahr hinein, und die Summe wird immer größer. Bitte, liebe Eltern, es Ehrensache, dass Sie diese leidige Geldangelegenheit unbedingt Ordnung bringen. Sonst habe ich heute nichts. Auch Ihnen, liebe Eltern, ein frohes VERGELTS GOTT für Ihre Mitarbeit im vergangenen Schuljahr für alle von Ihnen gebrachten Opfer. Dann wünsche ich Ihnen schon ein frohes und gottgesegnetes Osterfest, und dazu viele reine Freude mit Ihren Kindern in den nahen Osterferien. In herzlicher Verbundenheit grüße und segne ich Sie

Missionshaus Haigerloch

im Mai 1959

Liebe Eltern,

da melde ich mich gleich zu Beginn des neuen Schuljahres. Und zuerst möchte ich Vater und Mutter unserer neuen Schüler herzlich in unserer Gemeinschaft begrüßen. Zwischen den Elterntag und uns Weißen Vätern hat sich schönes und herzliches Verhältnis entwickelt. Wir hatten zusammen abgemacht, in gemeinsamer Arbeit, in gemeinsamen Beten alles zu tun, um die uns von Ihnen anvertrauten Jungen zum Altar Gottes zu führen. Wir als Priester sind bei weitem nicht der Auffassung, als konnten wir allein dieses göttliche Werk vollbringen. Wir sind überzeugt, dass die Gnade des Priesterberufes reine Gnade Gottes ist. Wir selber fühlen uns als solche Werke der Liebe und Gnade Gottes. Und wenn wir an Vater und Mutter zurück denken, - viele unserer Eltern sind schon in der Ewigkeit - so tun wir es in Liebe und Dankbarkeit. Was die für uns gebetet haben! Ich persönlich verwahre noch bis heute die wichtigsten Briefe meiner verstorbenen Mutter. Wir Patres danken Gott für unsere Väter und Mütter, die an uns mitgeformt haben durch Ihr Beten, durch Ihr Beispiel, durch Ihre Ermahnungen. Wo unsere Eltern, wir selber und unsere Lehrer so zusammen gearbeitet haben, da konnte Gott seinen Segen nicht versagen. Da hat er uns die Stunde der Weihe geschenkt. Viele unserer Väter und Mütter, die heute schon tot sind, sind Zeuge dieser Stunde gewesen. Wir ihre priesterlichen Söhne, steigen nicht die Stufen des Altares hinan, ohne Vater und Mutter mitzunehmen. Sehen Sie liebe Eltern, so war das früher. Und ich sehe keinen Grund ein, warum es heute anders sein solle Sie sind doch dieselben Eltern, fromm und arbeitsam, sonst hätten Sie Ihr Kind nicht für Gott hergegeben. Wollen wir deshalb auch in diesem Jahre wieder treu und brav zusammen arbeiten wie im letzten Jahr? Ich bin Ihnen von Herzen dankbar für Ihre Unterstützung. Und wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, dürfen Sie uns das ruhig sagen. So, und jetzt einige kleine Punkte, auf die ich vielleicht hinweisen darf:

Ihr Junge darf an Pfingsten schon nach Hause kommen. Wir beenden die Schule nach der 4. Stunde am Samstag vor Pfingsten. Dann können unsere Schüler über die Feiertage heim. Diejenigen, die hier bleiben, machen am Pfingstdienstag einen Ausflug (Zwiefalten, Bärenhöhle, Lichtenstein). Am Dienstag nach Pfingsten kommt Ihr Junge wieder zurück, da mittwochs die Schule wieder beginnt. So haben wir keine eigentlichen Pfingstferien. Diese wollen wir einsparen, und sie an die großen Sommer- bzw. Weihnachtsferien anschließen. Niemand soll mit seien Ferien zu kurz kommen.

Da Ihr Junge Gelegenheit hat, zu Ihnen zu kommen, und damit Sie nicht zu große Auslagen haben, ist an keinem der beiden Pfingsttage Besuchstag Es ist viel preiswerter für Sie, wenn nicht die ganze Familie ausfliegt, sondern wenn Ihr junger Studiosus kommt. Und dazu ist Pfingsten überall überlaufen, dass sich diese beiden Tage für Besuchstage nicht eignen. Ich möchte Sie deshalb herzlich und dringend bitten, von einem Besuch an Pfingsten abzusehen.

Offizieller Besuchstag ist Sonntag, 14.6. Das ist also gar nicht mehr lange. Bis dahin wissen wir schon mehr von Ihren Kindern, und können Ihnen bessere Auskunft geben, auf die Sie Anspruch haben. An diesem Besuchstag können Sie ab 10 Uhr hier sein. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass Sie Ihre Sonntagspflicht deshalb nicht opfern, sondern bedenken Sie, dass das eine selbstverständliche Pflicht für künftige Priestereltern ist. Hier in Haigerloch ist um 9 Uhr die letzte hl. Messe in der Schlosskirche. In Hechingen (St.Lutzen) um 11 Uhr die letzte hl. Messe. Sie können also um 10 Uhr hier sein, und können dann mit Ihrem Jungen bis 19 Uhr zusammen sein. Ich denke, in dieser Zeitspanne haben Sie alles mit uns und Ihrem Jungen besprochen. Außer dem 14.6. ist kein Besuchstag.

Was mir einigen Kummer macht, ist die Tatsache, dass einige von Ihnen (es sind wirklich nur einige) unsern Schülern immer wieder Pakete schicken mit Eß- und Süßigkeitswaren. Das ist wirklich nicht notwendig, liebe Eltern. Erstens sorge ich dafür, dass die Jungen genügend und gute Kost bekommen, dass also niemand verhungert. Das ist für uns eine Gewissenspflicht, und uns von den höheren Obern aufgetragen. Unsere Missionare müssen später in Afrika auch körperlich viel leisten,so dass die notwendigen Körperkräfte da sein müssen. Also keine Angst! Ihre Jungens werden Ihnen das auch bestätigen können, dass unsere Nahrung gut und reichlich ist. Zweitens möchten wir und auch Sie und Sie auch keine verwöhnten Schlecker haben, die man überall (Studiensaal, Schlafsaal, auf dem Hof) mit Schokolade und Bonbon sieht. Das ist auch ganz gegen unsere Erziehung zu Sparsamkeit und Einfachheit. Unsere Patres und Brüder in den Missionen müssen sich früh genug daran gewöhnt haben, auf Sachen zu verzichten, die sie sich nicht leisten können. Dass all das Zeug, das heute für Schleckermäulchen (Verzeihen Sie mir, bitte, diesen Ausdruck) geboten wird, für den Magen gar nicht gut ist, und dass Verzichtenskönnen eines der grüßten Selbsterziehungsmittel für unsre Jugend ist, brauche ich Ihnen nicht noch eigens zu sagen. Darf ich Sie, liebe Eltern, deshalb herzlich bitten, Ihren Kindern nicht mehr dieses "Zeug" schicken. Es hat niemand etwas dagegen, wenn Sie ihm ins Wäschepaket einige Äpfel oder Orangen beilegen; aber schicken Sie, bitte sonst nichts, absolut nichts. Wenn Sie zuviel haben, hin ich gerne bereit, Ihnen Adressen in der Ostzone anzugeben, wohin Sie alles schicken können. Es ist aber ganz selbstverständlich, dass Ihr Junge zum Namenstag sein Paket bekommt mit allen Drum und. Dran. Das sollte sogar so sein.

Nun, Ihr lieben Eltern, Gott befohlen! Gott segne ihren guten Willen und er segne ihre Opfer. Und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass ihre Opfer in der Weihestunde Ihres Sohnes ihre Erfüllung bringen.

In herzlicher Verbundenheit grüße und segne ich Sie alle.

JK

24.6.1959

Sehr geehrter Herr Pater Superior!

In der Sorge um unsere lieben Toten möchten wir uns an Sie, Hochwürdigster Herr Pater Superior und an die Hochwürdigen Herren Patres Ihres Hauses mit der Bitte um ein Memento bei heiligen Opfer wenden. Mein Vater verstarb an 2.4.1952, mein Bruder am 29.10.1958 und M’s (Zögling) Großmutter am 26.4.1959. Auch unsern wieder an Gott zurückgegebenen Sohn Albert, gestorben 4.41959 möchte ich Ihren Gebeten empfehlen. Trotzdem ich überzeugt bin, dass es dem Herrgott gefallen hat, unseren lieben Buben gerade zurückzurufen, wie er war, so kindlich fromm und rein, ist gerade dieses Memento für unsere sehr heimwehkranken Herzen beruhigend und wohltuend. Vielleicht ist es möglich, dass M mit Wissen die heilige Messe mitfeiern kann.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie, Hochwürdiger Herr Pater Superior bitte, allen Patres , die sich um M mühen, mein herzliches Vergeltsgott zu sagen und sie bitten, sich weiterhin um ihn zu kümmern und nicht müde werden, ihm in seinen schon beginnenden Flegeljahren ein guter Führer zu sein.

Am Reisetag der Missionsschüler beabsichtige ich mit meiner Frau in Haigerloch einen Besuch zu machen. Gerne würde ich mich mit den Klassenlehrern unseres Buben persönlich unterhalten. Meine Frau beabsichtigt, bei M’s Wäsche und Bekleidung eine Musterung durchzuführen , Halten Sie den Reisetag für solches Vorhaben ungeeignet?

Für all Ihre Mühe und ihr Gebet sagen wir Ihnen ein recht herzliches Vergeltsgott.

26.6.1959

Sehr liebe Familie K,

herzlichen Dank für Ihre Zeilen und für die Übersendung der 50.-DM. Gleich morgen halten wir eine heilige Messe in Ihrem Sinne. M habe ich heute Abend Bescheid gesagt und werde auch morgen vor der heiligen Messe allen Schülern sagen, für wen wir das heilige Opfer feiern. Sodann habe ich jedem Pater eine heilige Messe gegeben, die auch in den nächsten Tagen gelesen werden. Ich hoffe, dass es Ihnen so recht ist. Im Übrigen machen Sie sich bitte um Ihre lieben Toten keine Sorgen. Sie sind doch alle gute und ordentliche Menschen gewesen und sind auch entsprechend gestorben. Im Übrigen überlassen wir sie der Barmherzigkeit Gottes.

Mit M haben wir einigen Kummer. Dass er in seinen Flegeljahren ist, ist natürlich und selbstverständlich. Und dass er sich jetzt bewähren muss, ist seine persönliche Angelegenheit. Wir und Sie können ihm nur raten, damit er mit den drängenden Problemen fertig wird und ein feiner uns sauberer Mensch bleibt, der er doch ist.

Der Kummer liegt auf schulischem Gebiet.Er hat schon immer zu kämpfen gehabt, um die Klasse zu erreichen. Ob er es aber kommende Ostern schafft, weiß ich noch nicht. Das Griechische macht ihm jetzt viel zu schaffen, dazu geht es in den anderen Fächern auch nicht weiter. Dabei kann ich nicht sagen, dass er eigentlich faul ist. Er trödelt gern ein wenig und ist verträumt, Nun wir wollen nicht verzweifeln und den weiteren Gang abwarten. Sein Betragen ist nach wie vor gut, so dass wir auf dem Gebiet keine Klagen haben. Es ist wirklich ein Jammer, dass oft unsere besten Buben auf wissenschaftlichem Gebiet versagen. Das ist eigenartig, während andere alles spielend machen, von denen man spürt, dass sie trotzdem nicht Priester werden.

Nun genug. Ich möchte Ihnen nochmals recht herzlich danken. Ich grüße und segne Sie mit dem Segen Gottes.

IK

1. Januar 1960

Zu Beginn des neuen Jahres erlaube ich mir, Ihnen Hochwürdiger Herr Pater Schnez und allen Ihren Hochwürdigen Confratres ein gesegnetes Wirken, Kraft und Gnade zu wünschen. Für Ihre Mühen, Ihr Gebet und Ihr Sorgen um unseren M möchte ich Ihnen ein recht herzliches Vergeltsgott sagen. Wir werden nicht müde werden, für unseren Buben zu opfern und zu beten.

Mit viel Freunde und Dankbarkeit durfien wir in den Weihnachtstagen unseren lieben H. bei uns haben. Leider sind die Tage schon wieder um und unser M wird sich mit unserem Elternsegen nun wieder bei ihnen einfinden. um sich mit viel Fleiß sein Klassenziel zu erarbeiten. Gerne möchten wir ihm als seine Eltern beistehen, doch diese Fürsorge und Hilfe müssen wir seine dortigen Vorgesetzten überlassen. Wir sind beruhigt, wenn uns so begeistert von seinem neuen Herrn Pater Superior erzählt und auch strahlend sagt, dass er eben ein "Pfunds-Mann" sei.

Doch schleicht sich immer wieder eine leise Sorge um diesen Körper unseres einzigen Buben in unser Herz, wenn wir seine schlechte Haltung und das einseilig stark hervortretende Schulterblatt betrachten. Vielleicht darf ich mir die bescheidene Bitte erlauben, das Bett, das im Sommer bei meinem dortigen Besuch sehr stark durchgelegen war, mit einer festen Drahtmatratze zu versehen. Ein hartes und ebenes Bett wird sicher seinem Haltungsfehler stark entgegenwirken. Sollten Ihnen, Hochwürdiger Herr Pater Superior, dadurch unangenehme Mehrausgaben entstehen, wollen Sie bitte mir die Rechnung zugehen lassen. Aufgrund des Herbstzeugnisses von M und seiner schwierigen schulischen Leistungen sind wir ernstlich in Sorge. ob er an Ostern nach Großkrotzenburg versetzt werden kann. Was wir an Ermahnungen und Ansporn unsererseits tun konnten, taten wir getan. Aus dieser Sorge heraus haben wir unseren Buben angewiesen, alles zu unterlassen, was ihm bei diesem Bemühen hinderlich sein könnte. Auch jeglichen Briefwechsel außer mit seinen Eltern sollte er unterlassen. Wir bitten Sie also Post, die nicht aus seinem Elternhaus kommt genau zu überwachen, damit unser Bub nicht durch unnötigen Briefwechsel belastet bzw. abgelenkt werde. Wir danken ihnen sehr dafür.

M will sich ja ernstlich bemühen und glaubt auch feste, dass er seine Versetzung schaffen wird. Wir stehen ihm im Gebete bei und grüßen Sie und die hochwürdigen Herren des Hauses, mit vorzüglicher Hochachtung

PS: Soeben habe ich Kenntnis erhalten, dass M im letzten Terzial von einen Mädchen aus Mannheim Post erhalten hat! Ich bitte dringend, seine Post strengstens zu überwachen und auch Paketpost jeglichen Absenders. Gleichzeitig bitte ich Sie Hochwürdiger Herr, es mit ihm noch einmal zu versuchen und es an Strenge ihm gegenüber nicht fehlen zu lassen. Mir hat er tatkräftige Besserung versprochen.

(Entwurf)

JK

1.1.1960

es tut mir sehr leid, dass ich meine Grüße und Glückwünsche zum neuen Jahr mit einer recht schlechten Nachricht verbinden muss. Hochwürdiger Herr, ich muss leider unseren II. vom Missionshaus abmelden. Mit Erschrecken habe ich in diesen Tagen festgestellt weshalb unser Bub mit seinen schulischen Leistungen in letzter Zeit so sehr zurückgefallen ist. Trotz seiner 14 Jahren hat er sich von einem recht zweifelhaften Mädchen den Kopf verdrehen lassen. Auch Sie mit ihrer reichen pädagogischen Erfahrung werden einsehen, dass damit jegliche Mühe und auch jegliches Opfer unsererseits zwecklos ist. Wir werden darum in den nächsten Tagen M’s Privatsachen durch ihn abholen lassen und ihn dann bis Ostern hier in die Volksschule stecken.

Hochw. Herr Pater, Sie werden sicher verstehen, wie furchtbar schwer uns dieser unumgängliche Entschluss fällt, zumal da es sich nunmehr um unseren letzten Buben handelt. Und wir als seine Eltern haben es wirklich nicht an Mühe, Gebet und Opfer für ihn fehlen lassen. Für Ihre leider nun vergebliche Mühe, die sie mit unserem Buben gehabt haben, möchte ich ein herzliches Vergeltgott sagen. Möge es Ihnen dennoch vergönnt sein, möglichst viele aus den Reihen Ihrer Buben bis zum hohen Ziel ihres Studiums zu fördern.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Missionshaus der Weißen Väter

30.1.1960

Sehr geehrter Herr K!

Mein Antwortschreiben kommt zwar sehr spät. Aber ich war beinahe den ganzen Monat unterwegs. Dazu war in der Buchführung viel zu tun. Ihnen danke ich herzlich für Ihren Brief und ganz besonders für das nette Geschenk zum Jahresbeginn, das mit den Mitbrüdern zusammen so gut schmeckte und neuen Schwung gab zu einem guten Start am Anfang von 1960. Wegen Ihres Sohnes habe ich nochmals mit P. Superior gesprochen. Inwieweit seine Versetzung gefährdet ist, kann er selbst noch nicht endgültig sagen. Das wird die Konferenz in dieser Woche klären. Es täte mir sehr leid, wenn das der Fall wäre. Wie Sie wohl wissen, bin ich schon länger nicht mehr in der Schule tätig, sondern in der Prokura und Propaganda. So habe ich mit den Schülern wenig Verbindung. Dazu bin ich sehr stark durch diese Ämter in Anspruch genommen.

Die Haltungsschäden bei Ihrem Sohn M sind uns schon länger aufgejallen. Er ist eben sehr schnell gewachsen. Er wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, damit er sich müht, gerade Haltung anzunehmen. Das ist auch typisch für das Entwicklungsalter, in der die innere Selbstsicherheit zum Teil fehlt. Er darf sich dabei nur nicht gehen lassen. Die Erziehung muss hier natürlich auch einsetzen. Dann wird sich das bei zunehmender Reife schon beheben lassen.

Wir wollen hoffer und beten, dass Ihr Junge, der sonst so gewissenhaft und ernst ist, vielleicht etwas zu ernst in diesem Alter, sein hohes Ziel erreicht und einmal Großes wirkt für die Ausbreitung des Gottesreiches.

Ihnen und. ebenso Ihrer Frau wünsche ich reiche Gnaden Gottes. Sie wurden ja von großem Leid heimgesucht. Mögen Sie dabei umso mehr ein unerschütterliches Vertrauen auf die weise und gütige Vorsehung Gottes bewahren, die alles zum Besten lenkt. Gott wird dann schon jeden Tag umso reichere Gnaden uns schenken.

Mit diesem Wunsche grüße ich Sie recht freundlich

Provinzialat der Weißen Väter

3.4.1960

An die Eltern unserer Schüler!

Bisher haben wir unsere Schüler die nach 4 Jahre möglichst in der Nähe ihrer Heimat ausgebildet. Das soll auch so bleiben. Von O OIII an sind die Buben so groß, dass sie eine weitere Reise gerne machen, und nur Vorteile haben, wenn sie mit Gleichaltrigen aus anderen Gegenden Deutschlands zusammen studieren. In einer Zeit, in der manche Eltern sogar nach internationalen Schulen Ausschau halten, um ihren Kindern eine übervölkische, weltweite Erziehung zu geben, leuchtet das ohne weiteres ein. Es hat sich aber für unsere Lehrerverteilung als praktisch erwiesen, dass die O III nicht wie bisher in Großkrotzenburg studiert, sondern in Rietberg/Westfalen, um dann von U II an bis zum Abitur nach Großkrotzenburg zu gehen. Das eine Jahr in Rietberg gibt die Möglichkeit, eine Landschaft kennen zu lernen, in die sie vielleicht nie im Leben kommen. Für die Einheitlichkeit der Ausbildung und Erziehung in Haigerloch, Rietberg und Großkrotzenburg sorgt die einheitliche Ausrichtung der Weißen Väter.

Ich bitte Sie, diesen Ortswechsel im Studium Ihres Sohnes nicht als eine Neuerung zu betrachten und mir das Vertrauen zu schenken, dass ich das Wohl unserer Schüler im Auge habe.

In gemeinsamer Sorge mit Ihnen für Ihren Buben grüßt Ihr

(gez) G. Weiße Väter Rietberg/Westf.

27.April 1960

Sehr geehrte Familie K!

Heute übergab mir Ihr Sohn Ihren Brief. Aus ihm spricht viel Sorge für Ihren Sohn, der nun, eine so weite Reise ins Westfalenland gemacht hat. Ich kann Ihre Gedanken gut verstehen und möchte Ihnen deshalb gleich schreiben, um Ihnen alle Sorgen zu nehmen. Es kann gut sein, dass M unser Haus besser gefällt als Haigerloch, da es viel schöner ist, weil viel jünger und geräumiger. Mit der Naturschönheit von Haigerloch können wir nicht im Entferntesten konkurrieren, denn hier ist Ebene und Haigerloch ein kleines Schatzkästlein. Das nächste Gebirge ist der Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal. Aber die Ebene hat auch ihre Schönheiten, man muss sie nur zu entdecken wissen.

Die Hauptsache ist aber, dass M hier genau so gut geborgen ist wie in Haigerloch. Wir haben hier sogar noch mehr Patres als dort: neun. Und wir geben uns alle Mühe, unsere Schüler gut zu erziehen, um aus ihnen echte Priester und Missionare zu machen. Wir betrachten die Schüler als das kostbarste Gut, das uns die Eltern zu treuen Händen übergeben haben und das wir deshalb hüten und bewahren. Wir sind Ihnen dankbar für Ihr Vertrauen und wollen uns bemühen, es zu rechtfertigen. Möge der gute Gott das schwere Opfer lohnen, das Sie jetzt gebracht haben. So ähnlich haben es meine eigenen Eliern gemacht, die mich mit jungen Jahren aus dieser Gegend nach Haigerloch schickten, weil hier noch keine Möglichkeit zum Studium bestand. Sie haben es nie bereut und ich betrachte die vielen langen Reisen, die ich jahrelang machen musste, als keinen Verlust. Im Gegenteil, ich denke noch manchmal mit Freuden daran zurück. Übrigens: bei Ihrem Sohn dauert es ja nur ein Jahr, dann kommt er nach Großkrotzenburg, das auf halbem Wege liegt.

Bald werden Sie auch die ersten Eindrücke, die Ihr Sohn hier hatte, von ihm erfahren. Ich hoffe, dass sie gut sind. Wir haben hier eine große Schar, 108 Schüler. Das gibt Leben und Abwechslung in Menge. Eines wird Ihrem Sohn sicher besonders gut gefallen: unsere Kapelle. Vor einem Jahr wurde sie ganz umgestaltet und. modernisiert. Wir können darin jetzt einen sehr schönen Gottesdienst halten, der Ihrem Sohn sicher Freude machen wird. Auch unsere Schulsäle sind ganz modern eingerichtet und sehr freundlich gehalten. Für alles ist hier vorgesorgt: Leseräume, Spielsäle, Werkraum, Tischtennis und alle möglichen Spiele. Schade, dass Sie so weit entfernt wohnen und nicht selber alles besichtigen können. Aber wir haben schöne Ansichtskarten, die Ihr Sohn Ihnen sicher schicken wird. Aus Ihnen können Sie schon einen Eindruck gewinnen.

Wir wollen nun zusammen beten und für M arbeiten. Dann wird er, so hoffen wir, einmal ein guter Priester und Missionar werden zur Ehre Gottes und zu Ihrer Freude in Zeit und Ewigkeit.

Mit freundlichen Grüssen

P.L., Superior 1.Mai 1960

Liebe Eltern!

Im neuen Missionshaus gibt es viel Positives und viel Negatives.

Das Essen ist besser als in Haigerloch. Morgens gibt es täglich Trinkmilch mit Zwieback oder Wecken. Dafür darf man hier keine eigenen Esswaren haben. Wenn man damit erwischt wird, muss man sie in der Küche abliefern. Ein anderer Haigerlocher unserer Klasse hat das schon erfahren an einem Honigglas. Wenn Ihr mir aber bei Eurem nächsten Paket haltbare Esswaren schicken würdet, wäre ich dennoch dankbar. Ich wüsste mir schon zu helfen.

In der Schule geht es uns Haigerlochern sehr schlecht. In Griechisch bei Pater Superior sind wir zwar gleich, aber in Englisch zurück. Ebenfalls müssen wir ein Jahr Physik nachholen, weil in Nordrhein-Westfalen aber in der Untertertia Physik gegeben wird. In Erdkunde dagegen müssen wir statt Amerika Asien nochmals wiederholen, weil hier Amerika für UI und Asien für OII verlangt wird. Und wir haben noch keine Ahnung von diesem Erdteil.

Wie wir in Haigerloch, so waren auch die Rietberger wegen der Versetzung der OII zutiefst erstaunt. Man musste schnell Bänke bestellen, die schon da sind. Ferner eine Tafel und Matratzen, die noch fehlen. Die Matratzen, auf denen wir uns herumquälen, sind nur noch Folterwerkzeuge. Sie stinken und stauben bei jeder Bewegung. Weil die Nachricht von unserem Kommen so spät kam, konnte man unsere Klasse beim Oberschulamt in Münster noch nicht anmelden. Die OII ist keine staatlich anerkannte Klasse wie die Gymnasien draußen, sondern nur staatlich genehmigt, also privat. Aber ich hoffe, dieses Jahr gut zu vollenden.

Etwas anderes, was mich sehr freut ist, dass jeden zweiten Tag die Zeitung ausgehängt ist. Eine vernünftige Idee !

Unsere Klasse besteht aus 28 Männern,16 davon kommen aus Haigerloch ‚12 sind Rietberger.

Von der Schulleitung unter Pater L. wurden wir so gesetzt,dass außer zwei Schülern jeder einen Fremden zum Nachbarn hat. Über die Geschichte des Schulhauses möchte ich Euch in den Ferien berichten; denn sie ist eine sehr verzwickte. Seelisch habe ich sehr zu leiden. Da tut das Wetter sein Möglichstes. Seit ich hier bin, ist es bewölkt. Die Sonne habe ich in ihrer ganzen Pracht noch nie gesehen. Die Westfalen unserer Klasse haben auch einen ganz anderen Charakter wie die Schwaben. Der Dialekt ist teilweise sehr unverständlich. Wir müssen uns deshalb hochdeutsch unterhalten. Sport gilt nicht so viel, obgleich hier eine Turnhalle ist.