Geheimnisvolle Töne aus dem Klavier
Im Klassenraum der Untersekunda stand hinten ein Klavier. Hier gab Oberlehrer Schäfer seine
Klavierstunden und ich klimperte während der Freizeit auch gerne darauf herum (was aber nicht gerne
gesehen wurde).
Ich weiß nicht mehr genau, wer auf die Idee kam, aber irgendwann haben wir
einzelne Anschlagshämmerchen mit Schnüren zu einem Sitzplatz verbunden, so dass man von dort aus mit
einem leichten Ziehen Töne erzeugen konnte.
Das wurde in der Lateinstunde auch gleich ausprobiert. Ich meine mich zu erinnern, dass wir
vorgaben, überhaupt nichts zu hören und der Lehrerin mit sorgenvoller Miene unsere Bedenken
mitteilten hinsichtlich des Geisteszusstandes von Menschen, die glauben, nicht-existente Laute zu
hören.
Das Spiel war aber nach kurzer Zeit ausgespielt und es mussten stärkere Bandagen herhalten. In der
Innenseite des Klaviers positionierten wir oberhalb der Saiten eine Dose mit Kies gefüllt, die
mit einem Zug an einer Schnur gekippt werden konnte. Das wurde auch tatsächlich einmal während einer
Unterrichtsstunde praktiziert und es gab einen fürchterlichen Lärm. Das bedeutete auch das Ende
unserer Experimente, zumal der Lehrerin es auch wie Schuppen von den Augen fiel, dass die Töne, die
vermeintlich nur sie gehört hatte, von den Schlingeln der Untersekunda produziert worden waren.
So oder so ähnlich ist dieser Streich abgelaufen, aber vielleicht kann mich jemand korrigieren.
Alfred Epple, 22.2.2026