54 Jahre danach: Klassentreffen im altehrwürdigen Köln
von Hajo Stenger
Colonia Claudia Ara Agrippinensium (kurz Colonia Agrippina, auch CCAA,
deutsch „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“, frei übersetzt „Stadt römischen
Rechtes der Agrippinenser, unter Kaiser Claudius 50 n. Chr. gegründet am Ort des Altars für den
Kaiserkult“) war der Name der römischen Kolonie im Rheinland, aus der sich die
heutige Stadt Köln entwickelt hat. Die CCAA war Hauptstadt der römischen Provinz Germania inferior
(Niedergermanien) und Hauptquartier des niedergermanischen Heeres. Mit der
diokletianischen Verwaltungsreform wurde sie zur Hauptstadt der Provinz Germania secunda.
Zahlreiche Zeugnisse der antiken Stadt blieben bis heute erhalten, darunter eine Inschrift des
Kürzels CCAA auf einem Bogen des römischen Stadttors, der sich heute im RömischGermanischen Museum
befindet.
Dieser historische Hintergrund war nicht ausschlaggebend für das Treffen der „Kreuzburgianer“ im Mai
2018 in Köln; auch nicht, dass seit einigen Jahrzehnten hier die Weißen Väter
ihre deutsche Zentrale haben. Vielmehr haben uns der seit 40 Jahren in Köln lebende Klassenkamerad
Dr. Franz Hohmann zusammen mit seiner Frau Maria dorthin eingeladen. Beide
haben mit viel Mühe, Sorgfalt und Engagement alles bestens vorbereitet. Und so sind P. Albert
Schrenk PA, Brigitte und Gustl Teichmann, Beatrix und OStDir. i. R. Rudi Schäfer, Irmgard und Franz
Scholz, Mechthild und Dr. Hajo Stenger, sowie Gabi und Günther Mayer der
Einladung in die bedeutende Metropole am Rhein gefolgt. Immerhin waren dies sieben von
damals 13, die in der Kreuzburg die Hochschulreife erworben hatten; vier weitere weilen leider nicht
mehr unter uns, zwei fehlten, einer krankheitsbedingt, der zweite war verhindert. Er
hat uns aber schriftlich ein frohes Miteinander mit schönen Erinnerungen und neuen Erfahrungen
gewünscht.
Abb. 1: Besprechung vor dem Hotel in Köln
Das Hohmannsche Programm begann dann am nächsten Morgen pünktlich um 9 Uhr und der Umwelt zuliebe blieben die eigenen PKWs stehen und man bestieg die Straßenbahn direkt vor dem Hotel, die direkt vor dem Hotel an einer Haltestelle stoppte: Zielpunkt war die Innenstadt, genauer gesagt die Deutzer Freiheit. Von hier aus ergab sich ein herrlicher Panoramablick über den Rhein auf Dom und Stadt. Natürlich war das ein trefflicher Standort für ein erstes Gruppenfoto. Und schnell war ein vorbeikommendes Ehepaar angesprochen, um den Auslöser zu betätigen. Dabei kam man natürlich mit den Leuten ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass diese aus der Nähe von Offenburg kommen und unseren nicht anwesenden Klassenkameraden Otto Martin gut kennen, ja sogar weitläufig mit ihm verwandt sind.
Über die große Eisenbahnbrücke ging es weiter über den Rhein Richtung Dom. Unglaublich, wie viele Liebesschlösser hier am Geländer angebracht sind. Man könnte folglich Köln ähnlich wie Paris mit Fug und Recht die Stadt der Liebenden nennen. Wir haben keine weiteren Schlösser aufgehängt, vielleicht sind wir auch zu alt für diesen symbolträchtigen Spaß.
Abb. 4: Gustl vor den zahllosen Liebesschlössern an der Brücke; bei soviel Liebe ist die Zukunft der Menschheit ja gesichert!
Abb. 5: Das Gerokreuz im Kölner Dom Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon
Noch war etwas Zeit bis zum Mittagessen im FRÜH. Daher konnten wir einen kleinen Abstecher in St. Andreas machen. Da kamen wir gerade rechtzeitig zu einem Gottesdienst, den ein dort ansässiger Dominikanerpater zelebrierte, erstaunlicherweise mit Gesang und Orgelbegleitung.
Abb. 6: St. Andreas kurz vor dem Mittagsgottesdienst
Abb. 7: Bei FRÜH gab’s ein leckeres Mittagessen und Dank Franzens Reservierung auch einen guten Platz; vlnr. Rudi, Franz, Günther und Gabi 6
Danach ging es zum traditionsreichen FRÜH, wo die Hohmanns einen Tisch in gemütlicher Ecke reserviert hatten. Und zu unserer Freude war hier auch das Ehepaar Gabi und Günther Mayer dazugestoßen. Dass das Mittagsmahl durch zahlreichen 0,2 er Gläser Gerstensaft bereichert wurde, versteht sich. Und ohne Mittagsschlaf ging es anschließend gleich weiter zu einem ersten Höhepunkt, der Besichtigung von St. Ursula unter Führung eines exzellenten Experten, der uns die Geschichte der Kirche und das Leben der Kölner Stadtheiligen erleben ließ. Stundenlang hätten wir ihm lauschen können. Und freilich konnte Hajo hier auch den besonderen Bezug zu seinem derzeitigen Wohnort Stadecken-Elsheim herstellen. Ursula soll nach einer Legende auf ihrer Romreise durch Elsheim gekommen sein. Örtliche Namen im Selztal weisen bis heute auf dieses Ereignis hin. Sicher ist, dass das Kölner Ursulastift große Besitztümer in dieser Region hatte, so z.B. 1000 ha Grundbesitz.
Abb. 10: Die „Goldene Kammer“ zeigt eine Fülle von Büstenreliquiaren und Knochen; nachdem die Kirche ab dem 16. Jh. den Handel mit Reliquien eingeschränkt hatte, umging man diese Beschränkung und verkaufte Büsten, in denen Reliquien eingearbeitet waren – vgl. „Maultaschen = Herrgottsbescheißerle“
Nach so viel Geschichte bedurfte es einer Stärkung, die Franz in der Brauhausgaststätte Schreckenskammer vorbestellt hatte. Bemerkenswert an diesem Lokal ist der mit Sand bedeckte Holzboden.
Der zweite Tag begann mit einem Spaziergang über die romanischen Kirchen St. Severin, St. Georg, Maria Lyskirchen und Maria im Kapitol. Da wir letztere gerade um die Mittagszeit erreichten, stimmte hier Albert den Engel des Herrn an, was uns wieder sehr an unsere Missionshauszeit erinnerte.
Anschließend ging es in die Malzmühle zum Mittagessen. Dass danach eine kleine Siesta im Hotel erfolgen musste, versteht sich, denn gegen Abend stand ein ganz besonderer Höhepunkt an: eine Führung über die Dächer des Kölner Doms. Kurz nach 17 Uhr ging es über einen Bauaußenaufzug auf die Seitenschiffe der Kathedrale. Neben der herrlichen Rundsicht über Köln war auch ein Blick in den Dom möglich; dabei konnte die Gruppe unter Führung einer kompetenten Dame der Dombauhütte auch die versteckt auf einer Galerie montierten Spanischen Trompeten der neuen Domorgel erspähen.
Abb. 13: Im engen Bauaußenaufzug ging‘s hinauf zu den Domdächern.
Erstaunlich war auch die besondere Dachkonstruktion des Domes aus Stahlschienen; ein wahres Wunderwerk der Technik. Nach fast 2 Stunden hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen, was zur Beruhigung so manchen Gemütes beitrug. Um so mehr freuten wir uns auf das sehr abwechslungsreiche Abendessen beim Gaffel am Dom. Trotz Anstrengung und Erschöpfung konnten wir letztendlich noch ein paar Kölsch im Triton als Schlaftrunk verkosten und dabei über zukünftige Treffen beraten.
Dank der exzellenten Vorbereitung von Maria und Franz war das wieder ein höchst gelungenes Klassentreffen mit einmaligen Höhepunkten, die bei uns noch lange nachwirken werden. Auf jeden Fall wollen wir uns im August/September 2019 an der Mosel wieder treffen.
Franz Hohmann und Hajo Stenger
Köln - Stadecken-Elsheim 26.05.2018