Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Klassentreffen - mit einem Korb voller Erinnerungen

Sommer 2016

Da hat sich schon seit Jahren allerorts ein guter Brauch eingebürgert: Ehemalige Schülerinnen und Schüler treffen sich, um über die alten Tage, die längst vergangene, gemeinsam durchlebte Zeit zu plaudern und zu philosophieren. Allerdings gelingt das nicht immer, oftmals will man sich auch gar nicht mehr sehen. Warum auch immer! Auch bei den „Klepfern“ gibt es derartige Klassentreffen mit unterschiedlichen Interessen. Woran das liegt, dass eine solche Zusammenkunft gelingt oder auch überhaupt nicht angedacht wird, lässt sich nicht so ohne weiteres sagen. Bisweilen sind es einige Klassenkameraden, die möglicherweise aus intrinsischer Motivation den Anstoß zu einer solchen Zusammenkunft geben.

Abb. 1: Das Abiturientenfoto 1964 im Hof der Kreuzburg; vlnr. Günther Mayer, Gustl Teich- mann, Otto Martin, Rudi Schäfer, Franz Scholz, Theo Stüer (†), Franz-Josef Eulenbach (†), Klassenlehrer P. Friedrich Engelbert (PENG†), Franz Lienen, Franz Hohmann, Hajo Stenger, Albert Schrenk, Hubert Bonke (†), Heinrich Parusel (†).

Wie auch immer! Auf jeden Fall haben sich die Abiturienten, die am 5. Februar 1964 im Mis- sionshaus der Weißen Väter in Großkrotzenburg, genannt Kreuzburg, die Reifeprüfung ge- macht haben, 50 Jahre später im schwäbischen Erlaheim getroffen. Angestoßen von einigen Ehemaligen hatte Gustl Teichmann aus Balingen die Sache in die Hand genommen und alles bestens vorbereitet, u.a. ein Besuch im Missionshaus der Weißen Väter in Haigerloch, wo einige der damaligen Abiturienten ihre besten Jugendjahre verbracht hatten. Ein Höhepunkt war dort der gemeinsame Gottesdienst in der Hauskapelle, den das Klassenmitglied P. Hubert Bonke zelebriert hatte. Dass dabei in altgewohnter Weise Gregorianischer Choral gesungen wurde, versteht sich. Zwar war es nicht allen Ehemaligen möglich zu kommen, Krankheit und Afrika-Aufenthalt machten dem einen oder andern einen Strich durch die Rechnung. Und dann haben wir jemanden, der heute als Krankenhauspfarrer in Norddeutschland seine alten Tage verbringt und mir vor vielen Jahren mitgeteilt hat, dass er mit seiner früheren Klasse nichts mehr zu tun haben möchte. Na ja, so sind sie halt, die Westfalen - einige wenigstens!


Abb. 1: Gottesdienst in der Kapelle des Missionshauses in Haigerloch an Christi Himmelfahrt 2014; vlnr. Gustl Teichmann, Franz Scholz, Rudi Schäfer, P. Hubert Bonke, Hajo Stenger, Franz Scholz, Günther Mayer .

Man verabschiedete sich damals mit dem gemeinsamen Wunsch, gelegentlich eine solche Zusammenkunft zu wiederholen. Wann und wo blieb offen. Und so geschah zunächst einmal gar nichts. Mittlerweile wurde bekannt, dass die Weißen Väter das über 100 Jahre alte Missionshaus an der Annahalde zu Haigerloch aufgeben wollen. Hier hatten bekanntlich einige 1964er Abitu- rienten gemeinsam entscheidende Jugendjahre verbracht: Otto Martin, Franz Scholz, Albert Schrenk, Gustl Teichmann, Hajo Stenger. Von daher schien es angemessen, noch einmal - zum letzten Mal - den bedeutenden Ort an der Eyach aufzusuchen. Dankenswerterweise hat Gustl spontan wieder die Vorbereitungen übernommen. Hilfreich war auch, dass unser ehemaliger Mitschüler P. Albert Schrenk inzwischen von Westafrika nach Haigerloch versetzt worden war. Die Planung sah ein Treffen vom 7. bis 9. Oktober 2016 vor; Treffpunkt war wieder Erlaheim. Vor einiger Zeit hatte ich über die Klepfer-Seiten erfahren, dass unser ehemaliger Mitschüler Wilfried Buck als Rittmeister bei der Bad Saulgauer Stadtgarde und als fliegender Pater Mohr im ehemaligen Barockkloster Schussenried aktiv ist. Und so eröffnete sich endlich für mich die Möglichkeit, die herrliche Barockanlage im oberschwäbischen Schussenried mit hochqualifizierter Führung kennen zu lernen.



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Abb. 3: Werbeprospekt für die Besichtigung des ehemaligen Klosters Schussenried. Der weiß gekleidete Mönch mit Flügeln ist unser ehemaliger Mitschüler aus Haigerloch Wilfried Buck

Also startete ich bereits am Donnerstag, 6. Oktober 2016, in Richtung Süden, um mich zunächst mit Klassenkamerad Gustl Teichmann in Balingen-Weilstetten zu treffen. Von dort aus ging es gleich gemeinsam weiter nach Bad Saulgau. Hier suchten wir den ehemaligen Klepfer und Webmaster der Klepferseiten Alfred Epple auf. Obwohl wir uns eigentlich vorher noch nie gesehen hatten, kam auf Grund der gemeinsamen Weiße-Väter-Vergangenheit binnen kurzer Zeit ein so vertrautes „Wir-Gefühl“ auf, sodass wir uns so recht wohl fühlten, so als wären wir schon seit ewigen Zeiten miteinander bekannt. Und als Frau Epple noch ein leckeres Menü auf den Tisch zauberte, bot sich die gute Gelegenheit, alte Zeiten neu aufleben zu lassen: „Kennst Du noch...? Weißt Du noch ...? Wie hieß denn der Pater, der ...? Gut gestärkt konnten wir in das nahe gelegene Schussenried aufbrechen. Unterwegs haben wir frei- lich einen kleinen Abstecher in eine der schönsten Barockkirchen nach Steinhausen gemacht, sie lag unmittelbar am Weg und es wäre unverzeihlich, hätten wir dieses Kleinod links liegen gelassen.



Abb. 4:Steinhausen; Blick zum einmaligen Deckengemälde.

Gerade hielt dort ein Diakon einen Pilgergottesdienst und so konnten wir nicht alle Einzelheiten des Inneren genau ansehen. Andererseits war es gut so und zeigt, dass diese religiösen Bauwerke nicht tote Monumente sind, sondern noch in ihrem ursprünglichen Sinn und Zweck genutzt werden. Logisch, dass sich auf der weiterführenden Autofahrt eine Diskussion über die Entwicklung der Kirche, über die Stellung des Islam in unserer heutigen Gesellschaft ergab. Der Zusammenhang mit unserer Vergangenheit lag auf der Hand, waren doch die Weißen Väter damals von Kardinal Lavigerie u.a. zur Bekehrung der Moslems in Nordafrika gegründet worden.



Abb. 5:Die prächtige Innenausstattung der Kirche in Steinhausen

Schnell war Bad Schussenried erreicht. Der trübe Nachmittag ließ nur wenige Besucher zu der alten, schönen Klosteranlage kommen. Am Büchershop im ehemaligen Konventsgebäude erkundigen wir uns gleich nach Wilfried Buck, der als fliegender Pater dort wohlbekannt ist und wir konnten ihn telefonisch erreichen. Da er noch seinen Enkel zu betreuen hatte, verabredeten wir uns um 17 Uhr in der Bibliothek, jenem prachtvoll ausgestalteten Saal, in dessen Deckenfresko der berühmte, fliegende P. Mohr (1575-1625) dargestellt ist, den Wilfried im mer wieder mimt. Somit blieb uns noch etwas Zeit, die großartige, dem heiligen Magnus geweihte Klosterkirche, die heute als Stadtpfarrkirche dient, zu besichtigen. Hier ist besonders das künstlerisch wertvolle Chorgestühl zu bestaunen. Glücklicherweise war eine ältere Dame als Aufsicht in dem Gotteshaus; sie konnte uns unsere neugierigen Fragen kompetent beantworten und zeigte uns sogar die Sakristei mit Nebenräumen, die sonstigen Besuchern verschlossen bleiben.


Abb. 6:Das wunderbar geschnitzte, historische Chorgestühl in der Klosterkirche zu Schussen- ried (Ausschnitt)

Schließlich erlebten wir eine spezielle, spannende Klosterführung durch unseren früheren Mitschüler, die leider durch die abendliche Schließung des Museums abgebrochen werden musste. Dabei berichtete Buck von seinen Erlebnissen bei den Führungen; oftmals halten die Gäste ihn für einen echten Pater und wollen Einzelheiten über sein Klosterleben wissen, was er immer wieder gern und pfiffig beantwortet. Dass es bei solchen Gegebenheiten auch zu spaßigen Erlebnissen kommt, versteht sich.


Abb. 7: Ausschnitt aus dem Deckengemälde mit dem berühmten Prämonstratenserpater Chorherr Caspar Mohr bei seinen Flugversuchen

Dieser Kunstgenuss musste natürlich gebührend abgeschlossen werden und so lud uns Wilfried noch zum zünftigen Vesper in die Schänke des Bierkrugmuseums ein. Und hier erwachten wieder viele Erinnerungen aus der Haigerlocher Zeit und machten den Abend zu einem echten Erlebnis.


Abb. 8: Die ehemaligen Missionsschüler von Haigerloch in gemütlicher Runde in der Bier- krugmuseum-Schänke, vlnr. Hajo Stenger, Gustl Teichmann, Alfred Epple, Wilfried

Spät abends kam ich voller Eindrücke in mein Quartier in Erlaheim und legte mich zufrieden und erschöpft in mein Bett, hatte mir doch heute der sonst übliche Mittagsschlaf gefehlt. Am Vormittag des nächsten Tages blieb mir noch etwas Zeit, um auf eigene Faust alten Spuren zu folgen. Da der Orgelbau und die Orgelbaufirma Stehle in Bittelbronn, 4 km von Haigerloch entfernt, bis heute seine Ausläufer in mein Leben hat, schien mir ein unangekündigter Besuch dort sinnvoll. Also machte ich mich auf gut Glück auf und parkte mein Auto direkt vor der Werkstatt Stehle. Schnell musste ich feststellen, dass niemand dort anzutreffen war. Glücklicherweise befindet sich das Wohnhaus des Besitzerehepaares gleich nebenan und ich schellte etwas verlegen an der Tür und traf auf Hans Stehle. Diesen hatte ich vor fast 60 Jahren als kleinen Jungen kennengelernt, der drei Jahre jünger als ich war. Herr Stehle hat sich inzwischen aus dem Orgelbaubetrieb zurückgezogen und hat das Geschäft einem jüngeren Mitarbeiter übergeben. Nun ist Orgelbau heutzutage nicht mehr das große Geschäft; Kir- chenschließungen, mangelnder Gottesdienstbesuch, Pfarreizusammenlegungen wirken sich auch auf die Königin der Instrumente und deren Hersteller aus. Frau Roswitha Stehle ist vielen Klepfern gut bekannt, hat sie doch mit einigen gemeinsam die Schulbank gedrückt. Und so gab es viel zu erzählen, zumal Frau und Herr Stehle regelmäßig an den Klassentreffen der Klepfer teilnehmen. Das frühere kleine Dörfchen mit den bescheidenen, fast armseligen Häuschen hat sich heute zu einem respektablen Ort gemausert. Auf dem Weg zum Friedhof fiel mir dann doch auf, dass das ein oder andere Haus verlassen und halb verfallen dahindümpelt und von der ehemaligen, ländlichen Idylle wenig geblieben ist.
Zurück nach Haigerloch fuhr ich eine Straße von Weildorf zum Haigerlocher Bahnhof, die ehemals ein leicht befestigter Weg gewesen war. Auf diesem hatte ich in den Sommerferien 1958 mit einem Leiterwagen alte, von Stehle geschenkte Orgelpfeifen zum Bahnhof gebracht, um sie von dort nach Frankfurt zu schicken. Da ich natürlich kein Geld hatte, habe ich die Kiste unfrei nach Frankfurt zu unserem Küster geschickt. Dieser war mir sehr gewogen. Er hat die Kiste angenommen und auch die Fracht bezahlt. Mit den Pfeifen habe ich dann in den Ferien in der Unterkirche unseres Gotteshauses meine erste Orgel zusammengebastelt.

Abb. 9: Meine erste Orgel in Frankfurt 1958/59 mit den alten Pfeifen aus Bittelbronn

Ich parkte mein Auto am Bahngleis oberhalb des Bahnhofs Haigerloch, ein denkwürdiger Ort, denn hier war ich damals zusammen mit den Brüdern Reith und meinem Freund Friedel May am 9. April 1956 als 12jähriger mit gemischten Gefühlen angekommen: zum ersten Mal weit weg von zuhause, in einer neuen Schule, in einer fremden Umgebung, in einem Internat mit fremden Mitschülern ... Aha, das alte Bahnhofsgebäude stand noch; es war zwar neu verputzt und teilweise aufgestockt, aber mit großen Lettern stand noch HAIGERLOCH an den Fronten. Auch eine Bahnhofsuhr schmückte die Giebelwand. Die Gleise lagen noch so da, wie ich sie vor Jahrzehnten gesehen hatte. Und auch an dem Bahnübergang hatte sich wenig verändert, sieht man einmal von den Blinklichtern und der Bahnschranke ab. Und natürlich ging ich sogleich hin zu diesem Bahnhofsgebäude und stand plötzlich vor einer Tür mit türkischer Aufschrift. Ich umschritt das Gebäude und konnte keinen Eingang finden. Beim Blick durch ein großes Fenster im hinteren Anbau, da wo früher die Gepäckstücke ver- laden worden waren, sah ich in einen Moscheenraum mit Teppichen ausgelegt und mit einer, über eine Stufentreppe erreichbare Rednerbühne. Ich ging weiter um das Gebäude und entdeckte an der Rückfront eine große zweiflügelige Stahltür, jeweils geschmückt mit Halbmond und Stern. Zugegeben, das hat mich etwas geschockt: der Islam hier unterhalb des Missionshauses, wo wir uns doch damals darauf vorbereiteten, aus Moslems fromme Christen zu ma- chen. Ganz benommen ging ich auf das nebenan stehende Lager- und Verkaufshaus der BayWa zu, das es vor Jahrzehnten auch noch nicht gegeben hatte. Mit dem dortigen Lageristen, einem ehemaligen Bewohner der DDR, kam ich schnell ins Gespräch und ich war über- rascht, mit welcher Skepsis er die derzeitige Entwicklung in Politik und Gesellschaft sah. Auch erklärte er mir, dass hier nur noch sonntags gelegentlich Ausflugszüge sowie hin und wieder ein Salztransport von Stetten fährt.


Abb. 10: Meine Eltern und meine beiden Brüder am Besuchssonntag 19.11.1958 vor dem Bahnübergang in Haigerloch; es war schon eine Besonderheit, wenn ich Besuch bekam, denn der Weg von Frankfurt nach Haigerloch mit einem Lloyd 600 war mehr als beschwerlich und hat mindestens 5 Stunden (einfach) gedauert


Abb. 11: Der Bahnübergang am 7.10.2016 aus fast gleicher Perspektive; der Weg führt hinauf zum Missionshaus

Da kommt man schon ins Grübeln und Sinnieren. Ich fuhr die paar Schritte weiter in Richtung Unterstadt zum Parkplatz vor dem ehemaligen Atombunker unter der Schlosskirche und ging den steilen, etwas verwilderten Weg hinauf zum Gotteshaus. Bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren war die Kirche wegen Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten geschlossen gewesen. Umso mehr erfreut war ich, dass ich nun das grandiose, barocke Gotteshaus in frischem Glanz erleben konnte. Ich trat durch die alte, rückwärtige Tür und erblickte auf dem historischen Steinfußboden gleich ein Warnschild „Achtung Stolperfalle“. Das war berechtigt denn die alten Sandstein-Bodenplatten waren echt gefährlich. Dies tat aber der Großartigkeit dieses Gotteshauses keinen Abbruch: Kirchenbänke mit wunderschön geschnitzten Wangen, zahlreiche Seitenaltäre mit fantasievollen Altarbildern, brillante Decken- und Gewölbefresken, ein grandios geschmiedetes Chorgitter, davor die schmerzhafte Muttergottes unter einem lebensgroßen Kruzifixus, dahinter im großzügigen Chorraum ein Altaraufbau im Renais- sancestil und überall liebliche Putten und Engel, die einem den Eindruck vermitteln, man sei wirklich im Himmel. So hatten es auch die Barockmeister beabsichtigt und wahrlich, es ist ihnen gelungen. Ja, hier hatten wir damals vor mehr als einem halben Jahrhundert als Schüler oft unter der Leitung unseres Musikuses P. Schröter gesungen und an verschiedenen Feierlichkeiten teilgenommen.


Abb. 12: DBlick in die Haigerlocher Schlosskirche; der Fußboden mit den Sandsteinplatten ist sicher nicht ungefährlich; ich wage nicht auszuführen, was dies als Allegorie verstand heute für die Kirche bedeuten könnte.

Trotz allem, das Leben geht weiter ... und ich wollte zu Gustl nach Weilstetten fahren, um ihn nach Erlaheim abzuholen. Weit bin ich jedoch mit dem Auto nicht gekommen, denn ich kam an der inzwischen geschlossenen Haigerlocher Schlossbrauerei vorbei. Damals herrschte hier noch Hochbetrieb im Gasthaus und dem dahinter liegenden Brauhaus, das zwischenzeitlich abgerissen ist. Wie oft kamen wir früher da vorbei und hörten das Geklapper der Bierkrü- ge und mussten unsere Gelüste unterdrücken, denn ein illegaler Besuch dort hatte garantiert den Rausschmiss aus den frommen Gemäuern des Internats nach sich gezogen.

Abb. 13: Die ehemalige Haigerlocher Schlossbrauerei, heute verlassen und etwas verwahrlost

Bevor ich weiter in Richtung Balingen fuhr, musste ich noch einen Blick auf das ehemalige Haigerlocher Judenviertel mit seiner Synagoge und dem alten Friedhof werfen. Als wir damals Schüler hier waren, haben wir davon gar nichts gehört. Darüber wurde einfach nicht gesprochen, zumal in der Synagoge ein Kino diverse Filme präsentierte. Ein Besuch dort war für Missionsschüler absolut undenkbar.
Über den Bahnübergang unterhalb der hohen Felswand, auf dem der Römerturm thront, führte mich der Weg in Richtung Balingen. Ich erinnerte mich, dass an dieser Stelle oftmals schwere Unfälle passiert sind, fährt doch der Zug direkt aus einem Tunnel über die unbeschrankte Straße. In Balingen angekommen zeigte Gustl mir bei einer Ortsrundfahrt in Frommern die neue Kirche, die man kürzlich nach einem Brand-Totalschaden errichtet hatte: modern, sachlich, nüchtern und funktional. Bei der anschließenden Kaffeepause konnte ich auch Gustls Frau Brigitte begrüßen. Schließlich machten wir uns auf nach Erlaheim, wo langsam die alten Klassenkameraden eintrafen: Rudi Schäfer mit Frau Beatrix, Otto Martin mit Frau Irmgard, Franz Scholz mit Frau Irmgard, Franz Hohmann mit Frau Maria, Gustl Teichmann mit Frau Brigitte, Hajo Stenger und auch unser Pater Albert Schrenk.

Abb. 14: Der Beginn eines langen Abends im Landgasthof Engel


Abb. 15: Wie beim letzten Mal, gab es auch heuer wieder Probleme mit der Technik, die schließlich mit vereinten Kräften gelöst werden konnten; vlnr. Franz Hohmann, Rudi Schäfer, Brigitte Teichmann, Franz Scholz, Albert Schrenk, Otto Martin

Ein schöner, harmonischer Abend in trauter Runde hat sich entwickelt, alte Erinnerungen wurden aufgefrischt. Man sprach über Kinder und Enkel, über dies und das und so wurde es rasch spät und der Gasthof leerte sich, sodass wir alle müde und erschöpft die Liegestätten aufsuchten. Freilich, Albert musste noch zurück ins Missionshaus, was er auch in einer halben Stunde locker geschafft hat. Am nächsten Morgen war für 9.30 Uhr ein Gottesdienst mit Albert in der Kapelle des Missionshauses vorgesehen. Selbstverständlich, wie konnte es anders sein, sangen wir nach alter Tradition Gregorianischen Choral und zwar die VIII. Messe und das III. Credo. Erstaunlich, wie gut das noch geklappt hat, vor allem weil Albert noch einige alte Exemplare des Liber usualis zusammengesucht hatte. Ein besonderer Höhepunkt war dann, als Albert das Vaterunser in einer afrikanischen Sprache sang, in der er jahrelang als Missionar in Westafrika ge- sprochen hatte. Um den Altar versammelt empfingen wir die Kommunion in Gestalt von Brot und Wein. Ja, wir haben doch noch irgendwelche Gemeinsamkeiten, die uns einen und ver- binden. Und am Ende kam wieder wie beim letzten Mal vor zwei Jahren um den Altar stehend das Gruppenfoto


Abb. 16: Die Ehemaligen mit Ehepartnern: Franz Hohmann, Otto Martin, Irmgard Martin, Maria Scholz, Gustl Teichmann, P. Albert Schrenk, Rudi Schäfer, Beatrix Schäfer, Irmgard Scholz, Hajo Stenger, Franz Scholz
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Hajo Stenger