P. Hubert Bonke (1943 - 2016)
von Hajo Stenger
Wir nannten uns in Trier das TRIO: Hubert Bonke, Werner Wanzura, genannt Tango, und
Hajo Stenger. Was uns zusammengeführt hat, vermag ich heute nicht mehr zu sagen. Bereits 5
Jahr zuvor hatten wir uns in der Kreuzburg kennen gelernt. Werner war schon ein Jahr vorher
von Haigerloch aus dorthin gekommen und Hubert hatte bei den Weißen Vätern in Rietberg
die Unterstufe durchlaufen. Ich meinerseits war ebenfalls kurz nach Ostern 1959 von Haigerloch nach
Großkrotzenburg gewechselt. Ab UII war dann Werner auch in unserer Klasse.
Werner musste bereits nach UI ohne Abitur nach Trier zum Studium der Philosophie. Hier fand
für ihn, wie auch für die von Langenfeld kommenden Spätberufenen ein propädeutisches Jahr statt,
sodass er zum Sommersemester 1964 wieder zusammen mit den
beiden anderen in einem Kurs in
Trier war. Auf jeden Fall haben
wir uns gut verstanden und nach dem Prinzip „semper tres“ einige gemeinsame Unternehmungen gestartet, so
z.B. Spaziergänge,
Lerngruppe u.a.m.
An eine Aktion kann ich mich noch recht gut erinnern. Alle Studenten hatten ihre Zimmer im Dachgeschoss. Gegenseitige Zimmerbesuche waren eigentlich nicht gern gesehen. So haben wir drei über den Speicher Verbindungsdrähte verlegt, sodass wir praktisch über ein privates Telefon miteinander kommunizieren konnten.
In Trier hatten wir auch eine besondere Kneipe gefunden und lieb gewonnen: das Kulmbacher Eck. Hier waren wir Stammgäste und hatten uns angefreundet mit dem Personal, der Bedienung, eine ältere, alleinstehende Dame, eine echte Trierin und der jungen Wirtin, die zusammen mit ihrem Mann die Kneipe führte. Ab 22 Uhr waren die meisten Gäste fort und wir saßen dann oft bis spät in die Nacht mit den beiden im Schankraum und babbelten über Gott und Welt. Da floss nicht nur mancher Liter Gerstensaft, sondern da gab’s zwischendurch immer mal wieder etwas Hochprozentiges, was die Stimmung steigerte. Und am nächsten Morgen waren wir dann wieder um 5.30 Uhr zum Morgengebet in der Kapelle. Wir mussten nur aufpassen, dass wir bei der anschließenden „Betrachtung“ nicht einschliefen. Eine weitere frühnächtliche Übung bestand darin, dass einer von dem ersten Hähnchengrillstand in der Stadt oberhalb der Hauptpost für jeden einen halben „Flattermann“ holen musste; diese wurden dann auf einem unserer Zimmer verspeist. Da ich in den letzten beiden Semestern ein besonders großes, zweiteiliges Zimmer direkt am Treppenaufgang von der Pforte her hatte, eignete sich meine Bude besonders für diese nächtlichen Gelage. Als bevorzugtes Getränk haben wir uns eine spezielle Köstlichkeit zusammengebraut: süßer Samoswein mit Rum; je später der Abend wurde, umso mehr Rum landete im Samos. Die Wirkung kann man sich leicht ausmalen. Auch machten wir uns einen Spaß, gelegentlich jüngere Mitstudenten einzuladen und sie mit unserem speziellen Drink zu beköstigen und in die „Traumseligkeit“ zu überführen.
Ganz besonders zusammengewachsen ist das TRIO, als wir in den Osterferien 1965 die alte Orgel von meiner Heimatpfarrei in Frankfurt im Petite Séminaire in Nordfrankreich aufbauten (vgl. den Beitrag Orgelbau – Die Anfänge von Haigerloch bis heute). Hier war das TRIO sozusagen das tragende Element und hat sich stark engagiert. Das Arbeitsteam wurde von Günther Mayer und Josef Ricken ergänzt. So ist es gelungen, in kurzer Zeit die alte Walckerorgel aus Frankfurt in der Seminarkirche in Boyvigny-Boyeffles in Nordfrankreich aufzubauen und wieder zum Klingen zu bringen. Und das festigte weiter die Freundschaft des TRIOS.
Auch im anschließenden Noviziat in Hörstel pflegte man viele Gemeinsamkeiten, hatte man doch zu diesem Zeitpunkt viel Zeit miteinander verbracht und zahlreiche Erlebnisse geteilt. Hier starteten wir oft zu dritt zu unserer „Schiffermission“: An den Wochenenden ankerten an den Kanälen in der Umgebung von Hörstel viele Binnenschiffer. Diese sollten wir besuchen und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir empfanden solches als eine erste missionarische Aufgabe und gingen mit Begeisterung ans Werk. Nach dem Noviziatsjahr trennten sich unsere Wege: Hubert ging nach Heverlee/Belgien, Werner nach Gap bzw. Strassburg in Frankreich und Hajo setzte das Theologiestudium in Totteridge/London fort. Während Hajo im Januar 1968 die Weißen Väter verlassen hat, um in Frankfurt/St. Georgen sein Theologiestudium fortzusetzen, blieben die anderen beiden bei den Weißen Vätern. Zur Primiz von Hajo im Dezember 1970 waren natürlich beide wieder als Diakone dabei. Hubert hat sich noch eine Besonderheit geleistet: Er machte ein Freisemester in Tübingen und genoss hier nahezu alle Möglichkeiten des studentischen Lebens in Deutschland. Dazu gehörte auch eine Kommilitonin, mit der er viele „süße Stunden“ – honi soi qui male y pense !!! - verbracht hat. Natürlich hat sich das TRIO bisweilen in Tübingen zu gemeinsamen Aktionen getroffen. Trotzdem hat Hubert sein Studium bei den Weißen Vätern fortgesetzt und mit dem Abschlussexamen erfolgreich beendet. Nach seiner Priesterweihe ist Hubert dann schnell nach Afrika geschickt worden und hat dort im Ostkongogebiet (Ruanda) segensreich gewirkt. In dieser Zeit blieb das TRIO in brieflichem Kontakt und wenn Hubert auf Heimaturlaub kam, hat er auch immer wieder einen Besuch bei mir in Stadecken-Elsheim gemacht, wo sich gelegentlich auch das gesamte TRIO zusammenfand. Noch im Mai 2016 schildert Hubert in einem Brief seine Situation in der Missionsstation (vgl. Brief vom Ostkongo). Am Ende schreibt er scheinbar ganz empört, dass ihn seine Mitbrüder nach Deutschland zum Arzt geschickt hätten, weil er schon zweimal „in die pommes gefallen sei“ (dies bedeutet wohl, dass er ohnmächtig geworden ist), dass er sich jedoch nicht krank fühle, sondern am 6. Juni „als Urlauber“ nach Deutschland komme. Ich habe ihm, natürlich sofort geantwortet und ihn gebeten, dass er alsbald bei mir aufzukreuzen habe. Dazu ist es aber leider nicht mehr gekommen.
Ich werde Hubert als guten Freund und lieben Weggefährten in bester Erinnerung halten; mit ihm konnte man Pferde stehlen. Streit und abgrundtiefe Wortgefechte hat es nie zwischen uns gegeben und viele gemeinsame Zeiten und Erlebnisse haben uns verbunden und zusammengehalten. Mit wehmütigem Herzen nehme ich Abschied von ihm und bin sicher, dass nur sein kranker Leib in der afrikanischen Erde ruhen wird; in meinen, ja in unseren Gedanken wird er für alle Zeiten fortleben. Mit Begeisterung war er Missionar in Afrika und wird auch dort seine ewige Ruhe finden.
R - I - P
Stadecken, am 28. Mai 2016, dem Todestag von Hubert in Kindu (Ruanda)Hajo Stenger