P. Clemens Pfaff (1940 - 2022)
Clemens kam im Dezember 1965 als junger Missionar nach
Tansania in die Diözese Tabora. Sieben Jahre später musste er
seine missionarische Arbeit dort krankheitsbedingt beenden und
sie in seiner deutschen Heimatprovinz fortsetzen.
Clemens wurde am 2. Juni 1940 in Dormettingen im
Schwabenland geboren. Er ist der Erstgeborene der fünf Kinder
von Matthäus und seiner Frau Sophie, geb. Scherer. Trotz des
Zweiten Weltkriegs kannte Clemens ein normales Familienleben.
Sein Vater war Obermüller in der genossenschaftlichen
Getreidemühle des Dorfes und wurde deshalb nicht zum Kriegsdienst eingezogen. Die
Familie betrieb zudem noch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Clemens besuchte ab
1946 die katholische Volksschule. Ein Onkel inspirierte ihn, Missionar zu werden und seine
Eltern waren mit seiner Entscheidung, einverstanden.
Clemens kam 1951 in das Progymnasium der Weißen Väter in Haigerloch, wechselte 1954
nach Zaitzkofen und 1955 besuchte er das Missionsgymnasium in Großkrotzenburg. Dort
machte am 25. Februar 1959 das Abitur. Die Philosophie studierte er im Seminar in Trier, das
Noviziat machte er in Hörstel und für das Studium der Theologie ging er nach Totteridge und
legte dort am 29. Juni 1964 den ewigen Eid ab. Zum Priester geweiht wurde er in Horb am 3.
Juli 1965.
Im Dezember 1965 kam Clemens in Tabora an. Er besuchte für sechs Monate den Sprachkurs
in Kipalapala. Anschließend war er bis 1971 Vikar in der Pfarrei Lukula. Im Juni desselben
Jahres wurde er Pfarrer in Igumu. Sechs Monaten später erblindete er plötzlich und die Ärzte
rieten ihm, zur Behandlung nach Deutschland zu gehen. Die Ärzte in der Tropenklinik in
Tübingen und an der dortigen Universitätsklinik konnten nur noch feststellen, dass er auf
einem Auge blind war und bleiben wird. Die Sehkraft auf dem anderen Auge konnten sie
retten, doch sein Blickfeld blieb auf 50% eingeengt.
Die über 50 Jahre seines missionarischen Lebens in der deutschen Provinz lebte er in den vier
Gemeinschaften in Ehingen, Frankfurt/M, München und Berlin. Er war in Ehingen als Kaplan
in der Stadtpfarrei vier Jahre. lang tätig In den anderen drei Gemeinschaften war er als
Ökonom tätig. Aber seine Tätigkeit blieb nicht nur auf dieses Arbeitsfeld beschränkt. Er
engagierte sich in der missionarischen Bewusstseinsbildung, wobei er den Schwerpunkt auf
die Jugendtreffen legte, die in den siebziger und achtziger Jahren viele junge Menschen für
die Mission begeisterten. Im Kontakt mit den jungen Erwachsenen konnte er sich einbringen
und manche Beziehungen zu ihnen hat er über Jahre aufrechterhalten können. Ferner
übernahm er regelmäßig die Aushilfen in den umliegenden Gemeinden.
Seine Tätigkeit während seines 17-jährigen Aufenthaltes in der Gemeinschaft in Frankfurt
öffnete ihm einen neuen Horizont. Dies hing mit den unterschiedlichen Tätigkeiten einer
Missionsgesellschaft zusammen. Als er nach Frankfurt kam, studierten dort unsere
Seminaristen des Ersten Zyklus an der Philosophisch-Theologischen Hochschule
St. Georgen der Jesuiten. Der Provinzrat beschloss 1980, die Ausbildung wieder in das
ursprüngliche Seminar nach Trier zurückzuverlegen. In das freiwerdende Haus zog CIBEDO
(Christlich-islamische Begegnung Dokumentationsstelle) ein, die 1978 von der deutschen
Provinz gegründet worden war und zunächst in Köln zur Miete bei den Spiritanern
untergebracht war. Clemens blieb Ökonom und wurde gleichzeitig Superior der Weißen Väter
Gemeinschaft. Es war keine leichte Aufgabe, denn die Aktivitäten im Haus wurden von
CIBEDO bestimmt, deren Verantwortung in den Händen eines anderen Mitbruders lag. Als
Ökonom war Clemens allerdings fest eingebunden und organisierte Tagungen und
Fortbildungsveranstaltungen und empfing Besucher aus dem In- und Ausland. Ein besonderes
Anliegen war ihm, Gästen die sehenswerten Seiten der Stadt zu zeigen und ihnen die Schätze
der Museen zu präsentieren. Bei seiner Verabschiedung 1994 bekannte er, dass er durch die
Begegnung mit den Besuchern, Christen und Muslime, als Missionar viel dazugelernt habe.
Besonders gefielen ihm die Gespräche bei den Mahlzeiten, weil bei Tisch anders geredet
wurde als bei Arbeitssitzungen. 1984 übernahm Clemens das Ökonomat des Hauses in
München, das damals noch von Jugendgruppen und auch als Gästehaus während des
Missionsmonats von Missio München genutzt wurde. Die bayerische Hauptstadt mit ihren
vielen Museen und kulturellen Angeboten war für Clemens ein interessantes Umfeld.
2006 zog er in die Gemeinschaft in Berlin um. Neben seinem Dienst als Ökonom arbeitete er
viele Jahre in der englischsprachigen Gemeinde als Kaplan. In dieser Funktion wurde er 2011
durch P. Lenfers abgelöst. Die Beschränkung seiner Sehkraft war ein enormes Handicap, mit
dem er lernte umzugehen. Mitarbeit in den verschiedenen Gemeinschaften mit den sehr
unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen erforderten viel Energie und Kraft. Trotzdem behielt
Clemens ein großes Interesse an vielen Bereichen und beeindruckte immer wieder mit seinem
enormen Allgemeinwissen.
Zu Beginn des Jahres 2022 diagnostizierten die Ärzte Krebs und er verbrachte mehrere
Monate in verschiedenen Krankenhäusern in Berlin. Am 27. Oktober 2022 beendete er seine
Pilgerreise in dieser vergänglichen Welt. Der Herr empfing ihn in sein Vaterhaus. Beerdigt
wurde er auf der Grabstätte der Weißen Väter in Haigerloch.
Hans Vöcking