Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Die Ideale aus und vorbei -­ nach Verlassen des Missionshauses?

von Meinolf Pousset

Unser Pater Otto liest wohl auch die Klepfer-Seite und stellt nach den vielen amüsanten oder nachdenklichen Geschichten die Frage: was ist aus unseren Idealen geworden? Ist er fast der Einzige, der sich da treu geblieben ist?

Versuch einer Antwort:

Mein Bruder Raimund etwas früher - ich 1966 - verließen das Missionshaus und kehrten ins Elternhaus und Schule zurück. Die Heimatgemeinde Seckmauern, noch in Hessen, aber fast schon in Bayern, hatte George, einem kenianischen Priester das Theologie- und Promotionsstudium (Kirchenrecht) in Rom finanziert und dieser kam 1967 zu Besuch, um sich vorzustellen und zu bedanken. Als Raimund ihn 1968 in Rom gegenbesuchte, lernte er einen zweiten Priesterstudenten aus Kenia kennen, Philipp. Auch der kam nach Seckmauern. Die beiden – Philipp und George – sprachen diverse Sprachen (Teso, Kikuyu, Suaheli, Englisch, Latein und Italienisch) und in diesem seinerzeit etwas zurückgebliebenen Dorf waren Raimund und ich die einzigen, die mit Haigerlocher Englischkenntnissen die Kommunikation verlässlich aufrecht erhalten konnten. So wurden wir fast automatisch gute Freunde. Philipp absolvierte am Goetheinstitut einen Deutsch-Sprachkurs und vertrat nach mehreren Besuchen im Dorf den Pfarrer schon mal drei Wochen im Urlaub. Unser Vater Johannes und Mutter Gertrud betrieben mit Frau Verst die erste gezielte Unterstützung über die informelle Gruppe „Priesterhilfe Ostafrika“, besonders für Philipp.

Philipp Sulumeti wurde 1972 mit 35 Jahren der seinerzeit weltweit jüngste Bischof der katholischen Kirche und wartet heute als 77-jährige sehnlichst darauf, dass endlich der Papst sein Rücktrittsgesuch annimmt. Sein Lebenswerk kann man bei Wikipedia nachlesen. George wurde in Brüssel der erste schwarze Diplomat beim Heiligen Stuhl und zeitgleich mit der Ernennung von Philipp zum Bischof (Kisumu) laisiert. George hat 1976 geheiratet, vier Kinder und war verschiedentlich Minister in Kenya. Philip hat einen Bruder Cassianus, Lehrer und neun Kinder, natürlich katholisch, aber zwei Frauen – Rom ist weit! Und das war die Ausgangslage für unsere private Entwicklungshilfe – missionieren mussten wir nicht mehr. Alle waren schon katholisch!

Raimund lebte 1986/87 für ein Jahr in Nairobi, wir (meine Frau Gabriele und ich, sie ist die 3. Tochter von Dr. Mayer/Haigerloch!) besuchten ihn und wir beschlossen, dieser Familie und dem Bischof „auf die Füße zu helfen“. Als ersten Schritt brachten wir ein Solarpanel mit allem Zubehör zur „Farm“ im Westen von Kenia und installierten das – ein Lehrer und ein Betriebswirt –, aber am Abend gab es in dieser Gegend seit der Steinzeit das erste elektrische Licht. Zurück in Deutschland gründeten wir einen gemeinnützigen Verein, den es unverändert gibt. Wir haben es geschafft allen neun Kindern eine Ausbildung zu geben, inklusive Auslandsstudium in Indien bzw. England. Die Diözese betreibt diverse Schulen, insbesondere eine Mädchenschule und Krankenhäuser. Auch hier leisteten wir verschiedentlich Hilfe. Priestermangel gibt es dort nicht – eher einen „Überschuss“. Aktuell leisten wir noch Hilfe beim Bau des Presbyteriums, in das der Bischof nach seiner Demission einziehen wird. Und in der Mädchenschule geht gerade ein Bibliotheksgebäude der Vollendung entgegen, das den Namen unseres Vaters tragen wird: Johannes-PoussetMemorial Library (JPML). Die vielen Maßnahmen und Erfolge über die Jahre sprengen etwas den Rahmen der Klepfer-Seite – aber wir freuen uns sehr darüber und sind heimlich etwas stolz, auch ohne Burnus in Schwarzafrika Gutes bewirkt zu haben.

Meinolf Pousset 22.5.2014