Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten
Fundstück mit besonderer Erinnerung
Abb. 1: Mein erstes Schulheft in Haigerloch 1956; in Anbetracht
dieser Besonderheit habe ich es über 60 Jahre aufgehoben .
Der Nachteil eines großen Arbeitszimmers besteht daran, dass man nicht die Notwendigkeit
sieht, etwas wegzuwerfen. Irgendwo findet sich immer noch ein kleines, freies Plätzchen, wo
man das ein oder andere Büchlein deponieren kann. Und wird Platz gebraucht, dann wird zunächst das
scheinbar Unwichtigste entfernt. Bei mir war es das kleine Sofa mit einem kuscheligen, braunen
Cordbezug; da habe ich recht selten gesessen, weil ich eher am Schreibtisch gearbeitet und gelesen
habe. Und im Laufe der Zeit kommen weitere günstige Momente hinzu,
die die Ordnung des Arbeitszimmers beeinflussen: Die Kinder ziehen aus und einiges lässt
sich nun bequem in andere Zimmer auslagern, ohne dass die Frau des Hauses sich eingeengt
fühlt… Und so konnte ich meinen Computerarbeitsplatz in ein ehemaliges Kinderzimmer verlegen.
Trotzdem, irgendwann überkam mich eine gewisse Sucht nach Ordnung und Transparenz:
Jetzt war es wieder einmal so weit, das Arbeitszimmer musste geordnet werden: Da stapelten
sich Bücher über Bücher. Nicht zuletzt bedingt durch mein breites Interessensfeld und mein
großzügig angelegtes, ausgedehntes Studium: Philosophie, Theologie, Geschichte,
Politikwissenschaften, Gerontagogik. Und dazu kommen noch Kunst und Orgelbau als besondere
Leidenschaften. Die Anfänge dieser Interessen reichen noch in eine Zeit, da man Wissen hauptsächlich
in Büchern speicherte. Der Computer hatte seinen Siegeszug noch nicht in die Studierzimmer
angetreten.
Inzwischen habe ich im Lauf der Jahre schon mit blutendem Herzen einige Mülltonnen mit
den wertvollen, gedruckten Kulturgütern gefüllt. Aber diese Räumaktionen fördern gelegentlich auch
alte Schätze zu Tage. Und so ist es mir heute ergangen. Da finde ich doch mein
Deutschheft von 1956, Größe: DIN A 5, schön eingebunden in einen braunen Umschlag mit
der Aufschrift „Volkshilfe“, offensichtlich ein Werbegeschenk der besagten Versicherung.
Wie man sich denken kann, war damit das Aufräumen erst einmal beendet und ich las die in
kindlicher Schrift abgefassten Texte. Damals hatten wir P. Bernhard Schneider, der leider
schon 1959 verstorben ist (siehe „In Memoriam“), in Deutsch. Ich war gerade 6 Wochen in
Haigerloch, als ich12jährig den Text verfasst hatte. Wir mussten zunächst einen ersten Entwurf ins
Heft schreiben, dann wurde dieser von P. Schneider bearbeitet; es folgte ein zweiter,
verbesserter Entwurf und schließlich musste die Reinschrift erfolgen und dann gab es eine
Note, die dann wohl maßgeblich für die Zeugniszensur war.
Abb. 2: Erster Entwurf meines Berichtes über die Wanderung auf die Burg
Hohenzollern; die
roten Korrekturen im Text stammen von P. SchneiderAbb. 3: Die zweite Seite des BerichtesAbb. 4: Seite 3 des Berichtes
Beim Durchlesen des Textes musste ich doch etwas staunen: Da ist von einem 25 km langen
Marsch nach Hechingen die Rede. Wenn man das heute 12jährigen Schülern zumuten würde,
würden am nächsten Tag die Eltern auf der Matte stehen und lautstark protestieren. Heute
sehe ich das als gute Übung und mit 74 bin ich derzeit noch so fit, dass ich meine Zeit nicht in
einem Fitnessstudio „vergeuden“ muss. An den Besuch der Klassenkameraden in Hechingen
kann ich mich noch gut erinnern. Die Großeltern unseres Mitschülers Anton Merz waren
Messner an der barocken St. Luzenkirche; diese war damals noch nicht restauriert und die Orgel war
in einem beklagenswerten Zustand. Aber wir konnten alles sehr genau besichtigen,
was mein zu dieser Zeit noch nicht ganz ausgereiftes Interesse an der Barockkultur ein Stückchen
vertiefte.
Ja, so erwachen plötzlich immer wieder Erinnerungen, die eigentlich schon verschüttet waren.
Schön wäre, wenn jemand sich auch an diese Mai-Wanderung nach Hechingen erinnern
würde und den Text entsprechend ergänzen könnte.
Stadecken, den 23.07.2017