Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Friede auf Erden - Friede in Haigerloch

Dreimal im Jahr war es so weit: Die Schüler durften in die Ferien nach Hause fahren: Ostern, Sommer und Weihnachten. An Pfingsten gab es auch ein paar freie Tage, bei dieser Gelegenheit durften nur die Schüler aus der näheren Umgebung den Weg ins heimische Nest antreten.

Pfingsturlaub
Abb. 1: Das war der Pfingsturlaub der Missionsschüler, die nicht nach Hause fahren konnten: im Kiosk oberhalb des Annaweges 1957

Die Weihnachtsferien waren eigentlich die kürzesten, aber irgendwie die Besonderen. Im Missionshaus kehrte Ruhe ein und die Brüder und Patres konnte sich etwas entspannen, wenn sie nicht gerade in irgendeine Pfarrei in der näheren Umgebung ausschwärmten, um bei den Weihnachtsgottesdiensten mitzuhelfen. Allerdings bot das auch für die Patres eine gewisse Abwechselung, wenn es dann im Pfarrhaus ein entsprechendes Festmenü gab. Die Knäblein freuten sich auf das Weihnachtsfest; unter dem nach Harz und Wald duftenden Baum, der nun im Wohnzimmer stand; sie erwarteten gespannt die Geschenke, die sich unter dem Tannengrün befanden. Das waren in der Regel nur praktische Kleinigkeiten, ein Hemd, ein Pullover, ein Paar Strümpfe, ein Buch und vielleicht auch ein kleiner Geldschein. Ansonsten besuchte ich die heilige Messe alltäglich; das waren wir als Pennäler von unserem Missionshausalltag gewohnt. Dann sollte ich die Omas, Opas, Tanten und Onkel mit einem Besuch beglücken. Auch das brachte gelegentlich ein paar Münzen ein. Und so verging die Zeit ganz rasch und schon stapften wir nach der langen Eisenbahnfahrt von Frankfurt mit Umstieg in Stuttgart, Horb und Eyach nach Haigerloch wieder den kleinen Weg vom Bahnhof hinauf zum Missionshaus. Hier war eigentlich die Weihnachtszeit schon sogleich vorbei und der Missionsschüleralltag hatte uns wieder.

Da kommt mir das Gedicht vom bekannten österreichischen Schriftsteller Peter Rosegger (1843-1926) in den Sinn:

Ein bißchen mehr Frieden und weniger Streit,
ein bißchen mehr Güte und weniger Neid,
ein bißchen mehr Liebe und weniger Haß,
ein bißchen mehr Wahrheit - das wäre doch was!

Statt soviel Unrast ein bißchen mehr Ruh‘,
statt immer nur ICH ein bißchen mehr DU.
Statt Angst und Hemmung ein bißchen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut!

Kein Trübsal und Dunkel, ein bißchen mehr Licht,
kein quälend Verlangen, ein bißchen Verzicht.
Und viel mehr Blumen, solange es geht,
nicht erst auf Gräbern – da blüh’n sie zu spät!

Ja, Frieden miteinander haben wir uns alle vorgenommen; der Weltfriede schien im Gegensatz zu heute damals gesichert. Hassgefühle waren bei uns eigentlich eher selten, man fühlte sich mit den Mitschülern eher verbunden und weniger im Streit, wenngleich es auch selten mal vorkommen konnte, dass man auf einen Mitschüler wütend war, weil der zum Beispiel einen verpetzt hatte. Unrast war bei uns auch nicht angesagt, dafür sorgte schon die „heilige Regel“, die uns die alltägliche Ruhe gewährte. Angst dagegen konnte schon aufkommen, wenn man mal wieder einen Regelverstoß begangen hatte. Wie gut, dass es da die Möglichkeit gab, jeden Morgen während der Messe nach hinten zu huschen, um kurz in dem Beichtstuhl neben der Kapellentür dem Pater seine Sünde zu bekennen. Gut, wenn dann P. Hafner der Lossprecher war, denn der hat nie nachgefragt, sondern immer schnell nach einem allgemeinen Sprüchlein die Absolution erteilt.
Ja, Verzicht war bei uns gang und gäbe und jedes Verlangen, was über unseren Alltag hinaus ging, war in Gedanken schnell abgetan, da das große Ziel am Ende unserer Laufbahn vorgegeben war und da musste man auch mal verzichten und dies als gottgewolltes Opfer ansehen. An unsere Gräber dachten wir freilich bei weitem nicht: Vor uns lag das Leben als Missionar, der heldenhaft nach Afrika zieht, um die armen Heiden zu bekehren und sie zu einem gottgefälligen Leben zu ermuntern. Blumen braucht‘s da nicht mehr, Gottes Gnade genügt. Ja, in der Kiste „Haigerloch“ finden sich immer wieder kleine Schätze, die vielleicht den ein oder anderen erfreuen oder wenigstens zum Nachdenken anregen. Hoffen wir alle, dass wir die Blumen für unser Grab noch lange nicht brauchen, denn das Leben ist schön und bereichert uns tagtäglich.


Altarbild
Abb. 2: Das Altarbild in Haigerloch ca. 1955 von P. Schneider angeschafft hat uns nach den Ferien gleich wieder in unsere Wirklichkeit und unsere Aufgabe für die Zukunft zurückgerufen: Wir gehören in die Schar der Missionare, die von Jesus den Auftrag zur Errettung der Welt erhalten haben. Und die Neger – ein damals noch übliches Wort! – sehnen sich nach dem wahren Gott, der von den Missionaren, früher die Apostel, heute die Weißen Väter, verkündet wird.