Die Klepfer

Webseite ehemaliger Schüler der Weißen Väter und ihrer Weggefährten

Bye-bye

Mein Abgang von den Weißen Vätern

Nach dem Noviziat in Hörstel wurden wir zum Weiterstudium in verschiedene Seminare der Weißen Väter weltweit geschickt: Kanada, Belgien, Frankreich und England. Soweit ich mich erinnere, konnten wir Wünsche äußern, aber letztlich entschieden die Oberen, wohin die Reise gehen sollte. So fiel mir Totteridge/London als zukünftiger Studienort zu. Das war mir angenehm, weil ich Englisch eigentlich ganz gut von der Schule her beherrschte. Dort im Sommer 1967 angekommen fand ich ein altertümliches mehrgeschossiges Gebäude in einem Londoner Vorort vor. Hier waren bereits an die Hundert andere Weiße Väter-Studenten, eine internationale Gemeinschaft mit den unterschiedlichsten Mentalitäten. Die erste Zeit hielt ich mich an ehemalige Kommilitonen aus Trierer - bzw. Großkrotzenburger Jahren. Trotz langen Englischlernens in der Schule war es nicht so einfach, jetzt plötzlich in dieser Sprache zuhause zu sein. Wir als Nicht-Engländer wurden dann einmal in der Woche zu einem Sprachkurs, eine Art Volkshochschule, gefahren. Dort lernten wir viele andere Sprachneulinge, vor allem Aupairs, kennen. Ich habe mich dann mit einigen angefreundet und wir haben uns auch zum gemeinsamen Londonbummel verabredet. Im Prinzip war das möglich, aber ich hatte an einem solchen Treffen an einem Montagnachmittag teilgenommen. Da ich bei der verpflichtenden Gruppenmesse um 18 Uhr in der Kapelle der Weißen Väter nicht anwesend war, musste ich zum Superior kommen und wurde heftig gerügt. Da ich bei dem Gespräch andeutete, dass ich überlege, ob der Beruf Weißer Vater für mich der richtige sei, machte der Superior kurzen Prozess und befahl, dass ich bis zum Samstag das Haus verlassen muss. Jetzt stand ich völlig hilflos da: Mein reichliches Gepäck und ich musste in die Heimat kommen. Das war aber auch nicht so leicht, zumal in unserer Dreizimmerwohnung in Frankfurt noch meine drei Geschwister lebten. Wohin also? In meiner Not wandte ich mich an das Priesterseminar im Bistum Limburg und bat um Aufnahme, was mir in Anbetracht des aufkommenden Priestermangels auch sofort gewährt wurde. So kam ich in meiner Heimat-Diözese Limburg unter und wurde dann 1970 zum Priester geweiht. Nach sehr guter, einjähriger pastoraler Arbeit in Königstein wurde ich nach Frankfurt-Niederrad versetzt. Hier beherrschte im Pfarrhaus eine n. m. A. neurotische Nonne nicht nur den Pfarrer, sondern wollte auch mich unter ihre Fuchtel bekommen. Das war für mich unerträglich und ich bat den Limburger Bischof um Versetzung mit gleichzeitiger Möglichkeit eines Aufbaustudiums. Der ältere Bischof hat auf massiven Druck des Priesterrates das Studium strikt abgelehnt und so musste ich nun selbst handeln: Ich verließ 1972 das Priesteramt, wurde suspendiert und studierte in Mainz Pädagogik/Gerontagogik, Politikwissenschaften und Geschichte mit der Tendenz, nach dem Studienabschluss wieder in die pastorale Arbeit der Diözese zurückzukehren. Zunächst ließ ich die Abschlussprüfung in Theologie von 1970 als Diplom anerkennen. Die Diözese verweigerte mir jegliche finanzielle Unterstützung. Zum Lebensunterhalt unterrichtete ich an einer Realschule in Mainz, später erhielt ich ein sattes Graduiertenförderungsstipendium. Obwohl ich es eigentlich nicht vorhatte, habe ich mich zunehmend vom Priesterberuf und dem Bistum entfernt. Schließlich lernte ich während des Studiums eine nette Kommilitonin beim Orgelspiel kennen und wir haben 1976 im Mainzer Dom geheiratet. Ich habe 1977 in Pädagogik promoviert und das Staatsexamen für den höheren Schuldienst abgelegt. Beide haben wir dann als Lehrer im höheren Schuldienst gearbeitet. Auf Grund günstiger Umstände konnten wir in Stadecken-Elsheim, unweit von Mainz ein Haus bauen und wir haben uns in der Kirchengemeinde engagiert. Das barocke Kirchlein war in den 60er Jahren unkontrolliert von „modernisierenden Gemeindemitgliedern“ entbarockisiert worden. Als dann in den 90er Jahren eine dringende Restaurierung des Gebäudes anstand, war ich als Verwaltungsrat gefordert. Ich übernahm die Organisation der Arbeiten und hatte im bischöflichen Ordinariat Mainz einen idealen Ansprechpartner, der wohnte nämlich in Großkrotzenburg – hier hatte ich ja die Kreuzburg der Weißen Väter besucht. Im Jahr 1997, zur 250-Jahr-Feier konnte die Kirche in alter barocker Schönheit wieder eingeweiht werden. Dazu habe ich 1997 eine Schrift zusammengestellt, in der das Gotteshaus und das derzeitige Leben in der Kirchengemeinde beschrieben wird.


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Abb. 1: Umschlagseite der Schrift zur Wiedereinweihung der Kirche in Elsheim
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Abb. 2: Inhaltsverzeichnis des Buches über die St. Walburgakirche und ihre Gemeinde
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Abb. 3: Die Titelseite gibt Auskunft über weitere Einzelheiten zur Schrift

Es war mir damals wichtig, dass ich möglichst viele Mit-Autoren für die Schrift gewinnen konnte, um das Buch als Teil der Gemeinde erscheinen zu lassen. Zahlreiche Autoren gaben mir allenfalls ein paar Stichpunkte zu ihrem Beitrag. Bei einigen älteren Autoren bedürfte es viel Nachhilfe und Unterstützung, dass am Ende ein ordentlicher Text zu Papier kam. Folglich war eine Fülle an redaktioneller Arbeit von mir zu leisten. Zu dieser Zeit war ich vor allem auch wegen unserer 3 Kinder sehr aktiv in der Gemeinde. Auf Grund des Priestermangels hatte bereits ein Gemeindepfarrer in den 70er Jahre in der ländlichen Großgemeinde Schwabenheim mit vier Gotteshäusern in 7 Orten sonntägliche Wortgottesdienst eingeführt, die gut besucht wurden. Diese Gottesdienste mussten natürlich sehr intensiv vorbereitet werden. So war es keine Seltenheit, dass ich am Sonntag bis zu drei Wortgottesdienste mit Predigten in den verschiedenen Kirchen unserer Pfarrei hielt. Dies ist mir als Volltheologe nicht schwergefallen. Andere Wortgottesdienstleiter taten sich damit recht schwer, weil sie keinen theologischen Background hatten. Zu den Sonntagsgottesdiensten kamen dann noch besondere gottesdienstliche Veranstaltungen, wie z.B. Weihnachtsgottesdienstfeiern, Palmsonntag etc. Darüber hinaus haben wir die Kommunionvorbereitungen jeweils für unsere 3 Kinder übernommen. Sonntags haben wir die Kinder unserer Gruppe abgeholt, am Gottesdienst teilgenommen und anschließend mit der Gruppengemeinschaft bei einem Kind zuhause gefrühstückt. So waren alle Kinder gut auf die Erstkommunionfeiern vorbereitet. Bald 20 Jahre habe ich ehrenamtlich diese Dienste in unserer Gemeinde versehen. Meine Frau hat mitgewirkt; das war besonders wichtig, da sie als Organistin den Gemeindegesang unterstützen konnte. Inzwischen hatten wir mehrfache Pfarrerwechsel und zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde dann noch ein OMI-Pater vom Kloster Rochusberg bei Bingen dem Pfarrer zur Seite gestellt. Damit waren die Wortgottesdienste hinfällig. Später kam noch ein junger Pfarrer, ein Spätberufener, zu uns als Gemeindeleiter, der ohnehin alles selbst in die Hand nehmen wollte: In der ersten Sitzung des Verwaltungsrates, dem ich als 2. Vorsitzender nach wie vor angehörte, hat dieser Pfarrer mehrfach betont, dass er der Pfarrer ist und ihm allein die letzte Entscheidung zukommt. Ich habe mir daraufhin gedacht, wenn Du der Pfarrer bist, dann mach‘ bitte auch Deine Arbeit allein und für mich war die aktive Mithilfe in der Pfarrei beendet.

Stadecken, den 10.1.2026

Hajo Stenger